Neil Blackmore - Soho Blues

Originaltitel: Soho Blues
Roman. Aufbau Verlag 1999
286 Seiten, ISBN: 3746617332

Eines Tages steht sie in der Tür des Hudson Cafes in London: Betty. Harry, der Besitzer, ist verzaubert - er gibt ihr Arbeit, einen Platz zum Schlafen. Und er lauscht genauso verzückt wie die immer mehr werdenden Kunden ihren Geschichten vom New York der Nachkriegsjahre, die sie hier in London nun zum Besten gibt.

Betty - das ist Lebenslust pur. Sie animiert Harry und Alfie, den schwarzen Kellner des Lokals, mit ihr tanzen zu gehen, mit ihr die Jazzlokale zu genießen.

Und sie schläft mit Alfie, das merkt Harry, den dieser Umstand sehr verletzt. Trotzdem - oder gerade deswegen? - gibt er nicht auf, sondern umwirbt Betty, die um einiges älter ist als er selbst, so lange, bis sie einwilligt, seine Frau zu werden.

Doch Alfie bleibt erstmal noch im Cafe - und Harry bleibt eifersüchtig. Als Betty schwanger wird, entscheidet sich ihre gemeinsame Zukunft…

Musik, Bewegung, Tanz - das ist das Motto dieses Romans. Und ganz nebenbei erfährt man die Lebensgeschichte von Betty, die schon einmal verheiratet war, schon zwei Kinder hatte - lauter Dinge, die sie ihrem Mann nicht erzählt. Denn sie hatten sich versprochen, sich so zu lassen, wie sie wären.

Das gelingt ihnen auch beinahe - zumindest sehr spät im Leben merken sie, wie sehr sie miteinander können. Oder auch nicht.

Das Buch hat aber auch einige Brüche, gerade zu Beginn, als die Erzählperspektive von Harry auf Betty übergeht; hier wird Betty immer wieder auch sehr lyrisch, wie sie sich im ganzen Leben eigentlich nicht gibt: denn Betty, das ist Flunkerei und Energie, keine blumigen, leeren Worte.

Ein netter, durchaus lesenwerter Roman über London von den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart!

Neil Blackmore

Neil Blackmore, 1970 in Wales geboren, studierte Geschichte und Film in Leeds und Westminster. Er lebt als Schriftsteller und Mitarbeiter einer Produktionsfirma in London.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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