Originaltitel: Vendredi Soir
Erzählung(en). Klett Cotta 1999
110 Seiten, ISBN: 3608934537


Es ist alles gepackt. Die Wohnung ist leer, Telefon abgemeldet, morgen kommen die Möbelpacker. Ab morgen wird Laure mit Francois leben.
An diesem letzten Abend ist sie bei Freunden zum Abendessen eingeladen. Erst als sie schon ein Stückweit im Auto unterwegs ist wird ihr wieder bewusst, das die Verkehrsbetriebe streiken, sie steckt im Stau fest.
Der Autostopper, den sie mitnimmt, hat kein festes Ziel, er will nur nicht an dem Fleck bleiben, an dem er ist. Sein Geruch nach Tabak, Leder und Rasierwasser löst in Laure ganz eigenartige Gefühle aus.
Spontan bittet sie ihn, mit ihr zu Abend zu essen - genauso spontan sagt er zu. Das Abendessen bei den Freunden entfällt ohnehin, ihr Freund wird nie davon erfahren, und so zieht sie den roten Rock an, den er nicht leiden kann, und überlässt sich der sinnlichen Ausstrahlung des Fremden...
Eigentlich ist dies hier die Schilderung eines One-Night-Stands. Laure ist an einem Wendepunkt ihres Lebens angelangt, und gerät in eine Ausnahmesituation. In diesem Moment sitzt die Versuchung neben ihr - und sie zögert, geht einen Schritt vor, zwei zurück, um gleich darauf wieder umzukehren, diesem Fremden nachzulaufen.
Über seine Beweggründe erfährt man gar nichts. Es wird auch kaum ein Wort gesprochen zwischen den beiden. Das Buch besteht fast ausschließlich aus den Gedankenmonologen Laures.
Gefallen haben mir die Schilderungen, wenn Laure diesen Fremden neben sich mit all ihren Sinnen wahrnimmt, sich völlig in seinen Geruch, seine Berührungen verliert - und wenn plötzlich die Realität blitzlichtartig wieder auf sie niederbricht, und sie daraufhin beinahe panisch zurückweicht.
Leider mochte ich die Sprache der Autorin nicht. Alles wird sehr karg, in äußerst knappen, kurzen Sätzen formuliert, die mir ein Eintauchen und Genießen nicht ermöglicht haben.
Emmanuèle Bernheim, »Médicis«-Preisträgerin, deren Romane in 25 Sprachen übersetzt wurden, lebt in Paris. Sie arbeitet u.a. als Drehbuchautorin fürs Fernsehen. Ihr letzter Roman, »Der rote Rock«, ist gerade verfilmt worden
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
©01.09.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing