Alan Bennett - Cosi fan tutte

Originaltitel: The Clothes They Stood Up In
Erzählung(en). Wagenbach Verlag 2003
91 Seiten, ISBN: 3803112133

Alles weg. Die ganze Einrichtung, Kleidung, Haushaltsgegenstände - alles. Buchstäblich alles. Und das innerhalb der kurzen Zeit, die die Ransomes in der Oper verbracht hatten. Mozart, natürlich.

In der nächsten Zeit ist Mrs Ransome damit beschäftigt, die Wohnung stückweise wieder mit dem Nötigsten auszustatten. Und mit der Zeit fand sie den Verlust ihrer Habseligkeiten auch gar nicht mehr so schlimm - denn die Notwendigkeit, noch einmal von vorne anzufangen, hatte sie an Orte geführt, die sie früher nie besucht hätte. Den kleinen Laden von Mr. Anwar zum Beispiel, der zwar ganz in der Nähe ihrer Wohnung gelegen war, den sie aber dennoch nie aufgesucht hatte.

Nun gab es also neue Gewürze beim Kochen, und auch einen Schaukelstuhl hatte Mrs Ransome sich gekauft. Sie war wieder ganz zufrieden, ja, besser noch: sie lebte richtig auf, als wären die Einrichtungsgegenstände eine Bürde für sie gewesen.

Doch dann kam eines Tages die Rechnung eines Speditionslagers - in dem sie ihre Wohnung vorfanden. So, wie sie sie verlassen hatten, genauso aufgebaut, jedes Detail...

Eine Geschichte wird uns hier auf knapp 90 Seiten erzählt; ganz lakonisch und trocken und dabei unwiderstehlich komisch nehmen wir mit dem etwas umständlichen Ehepaar Ransome die Unannehmlichkeiten auf uns.

Wie meist ist die Diebstahlsgeschichte nur der Auslöser für einen Blick auf ein ganz alltägliches Ehepaar, das miteinander alt geworden ist, sich aber eigentlich nie viel zu sagen hatte. Die Risse in der Beziehung werden durch das Fehlen der Möbel so sichtbar wie helle Flecken an der Wand, wenn die Bilder abgenommen werden. Das ganze Beziehungsgerüst kippt; Mrs Ransome ist es, die nun auf einmal die Entscheidungen trifft, sie behält die nötige Ruhe und kann mit der Situation umgehen.

Als die Möbel dann zurück sind, spürt man bei ihr immer wieder auch eine gewisse Traurigkeit; als wäre ein unbeschwerter Sommerurlaub am Campingplatz zu Ende gegangen.

Den großen Reiz der Geschichte macht aber Bennett´s Erzählstil aus. Völlig unprätentiös erzählt er und entlarvt dabei die Komik und Absurdität so mancher Geste.

90 Seiten sind nicht viel - aber das ist auch die Stärke Bennetts. Er bläht die Geschichte nicht weiter auf, der Umfang ist gerade richtig, bei einem längeren Text würde viel Witz und Tempo verloren gehen, fürchte ich. Ein kurzweiliger Genuss, den ich gerne weiter empfehle!

Alan Bennett

Alan Bennett, 1934 in Leeds geboren, ist einer der populärsten unter Großbritanniens Dramatikern. Er schreibt für Radio, Fernsehen und hat ua eine Theaterfassung des englischen Kinderbuchklassikers "Der Wind in den Weiden" verfasst. Berühmt wurde die von der BBC für ein Millionenpublikum gesendete Hörspielreihe "Talking Heads"

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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