Gioconda Belli - Waslala

Originaltitel: Waslala
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1996
342 Seiten, ISBN: 3423126612

Faraguas, eine vergessene Welt am Amazonas - von Machtkämpfen gebeutelt, von der zivilisierten Welt nur noch als Sauerstoffreserve und Müllabladestätte wahrgenommen.

In einem Haus am Fluss lebt Melisandra mit ihrem Großvater, der einst dabei war, als das sagenumwobene Waslala gegründet wurde. Waslala - ein Ort, den man nicht so einfach findet, ein Mythos von einer besseren Welt, ein Riss in der Zeit. Auch Melisandras Eltern hatten sich aufgemacht, dieses Land zu suchen, und waren nie zurückgekehrt nun will auch sie selbst sich diesen Lebenstraum erfüllen, auch wenn sie dazu ihren Großvater alleine lassen muss. Noch dazu wird sie nicht allein sein bei ihrer Suche - Raphael, ein Journalist aus der Zivilisation, will einen Bericht über Waslala machen. Aber nicht nur das - er ist auch auf der Suche nach Philin, einer neuen Wunderdroge, die in der Nähe von Waslala angepflanzt wird.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg - und bleiben auf einmal bei Engracia, die den Müllhandel organisiert hat. Alles, was von der westlichen Welt weggeworfen wird, landet hier, wird auf weitere Verwendbarkeit geprüft. Und obwohl sie von den Escada-Brüdern, ihren Gegenspielern, dafür nur Spott und Hohn ernten, muss versuchen sie, doch noch etwas zu erreichen. Das Prinzip der Escada-Brüder lautet: Teile und herrsche. Sie schüren die Bandenkriege, für die sie auch die passende Munition liefern.

Sie bitten Melissandra und Raphael an, sie bei der Suche zu unterstützen - eine Falle, wie Melissanra vermutet.

Denn was kann für die Escada-Brüder schlimmer sein als die Gewissheit, dass die Utopie eines Staates, dessen Prinzipien auf Gleichheit und Gemeinschaft stützen, bestätigt zu sehen?

Dass ihre Vermutung richtig ist, bestätigt sich, als sie gefangen genommen wird. Raphael, mit dem sie in den letzten Wochen ein inniges Liebesverhältnis aufgebaut hat, war gerade unterwegs - um mit Phinin die Leiden Engracias und einiger Muchachos zu retten.

Diese hatten die nötige Vorsicht beim Umgang mit angeliefertem Müll außer acht gelassen, hatten sich voll Freude über das phosphorizierende Leuchten mit radioaktivem Pulver bemalt und somit ihr Todesurteil unterschrieben...

Eine erschreckende Vision, die hier gezeigt wird. Auf der einen Seite die überentwickelte westliche Welt, die gedruckte Bücher nur noch aus Erinnerungen kennt, die unzählige Möglichkeiten der Kommunikation kennt- und andererseits die Menschen, die aus dem Müll dieser Welt leben. Wie es ja auch heute schon ist - nur ein wenig dramatischer dargestellt.

Doch es gibt diesen Traum einer Gesellschaft, in der Gewalt keine Heimat hat, ein Traum, der viele Menschen dazu bringt, weiterzumachen.

Eine Geschichte, in die man sich fallen lassen muss - auch dann, wenn man, so wie ich, normalerweise keine Fantastischen Romane mag, lesenswert.

Gioconda Belli

Giaconda Belli wurde 1948 in Managua geboren. Sie entstammt einer vermögenden Familie und studierte in Spanien und den USA. Ab 1970 beteiligte sie sich am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur ihres Landes. Sie lebt heute in Managua mit ihren drei Kindern und arbeitet - neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit - vor allem im Bereich der politischen Bildung.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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