Originaltitel: Berlin. The Downfall 1945
Sachbuch. C. Bertelsmann Verlag 2002
540 Seiten, ISBN: 3570003698

Deutschland 1945. Im sechsten Kriegsjahr hat das Land schwer unter den Auswirkungen des Krieges zu leiden; die meisten Städte sind schwer zerbombt, Lebensmittel werden knapp, in nahezu jeder Familie sind gefallene Soldaten zu betrauern. Vom Osten her nähert sich die Rote Armee, aus dem Westen stoßen die Briten und Amerikaner vor. Für die Deutschen, die sich nicht mehr einwickeln lassen von der nach wie vor auf Hochtouren laufenden Propaganda beginnt das große Bangen und Hoffen: werden die Westmächte vor den Russen hier sein?
Antony Beevor beschreibt ausführlich diese letzten Monate; er lässt die Truppenbewegungen vor unseren Augen lebendig werden, aber vor allem berichtet er vom politischen Kalkül, das dahinter steckte. Die Konferenz von Jalta ist hier ebenso Thema wie Berichte aus dem Führerhauptquartier in Berlin; hier wie dort wird intrigiert, manipuliert und Furchtbares angerichtet.
Besonders ausführlich widmet der Autor sich dem Vorstoß der Roten Armee und der panischen Massenflucht, die ihr Vorrücken ausgelöst hatte. Beevor weißt zwar immer wieder darauf hin, was die Deutschen bei ihrem Russlandfeldzug verbrochen hatten - aber was er vor allem schildert sind die Massenvergewaltigungen und unkontrollierten Gewalttaten der Russen auf ihrem Weg nach Berlin. Er versucht auch immer wieder, die Ursachen dafür herauszuarbeiten, aber was vor allem im Gedächtnis bleibt sind die Bilder von Angst und Zerstörung.
Der Wettlauf der Armeen nach Berlin, die strategische Bedeutung dieses Ziels, das von den Westmächten verkannt wurde, das hat Beevor sehr anschaulich herausgearbeitet.
Sehr interessant war es aber auch zu lesen, was in Berlin in diesen letzten Monaten vor sich ging, wie Hitler zusehends verfiel und seine Handlanger nach Macht hungerten. Auch wenn Hitler weder Ahnung von seinen Armeen hatte noch gesund, meinte er doch jede Entscheidung selbst treffen zu müssen, wie widersinnig sie auch sein mochte. Die letzten Tage im Bunker, Hitlers Heirat und Selbstmord hat Beevor anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Gesprächen rekonstruiert.
Für mich waren die militärischen Aspekte zeitweilig zu stark im Vordergrund; welche Armee, welcher Kommandant, welcher Zug nun exakt welche Stoßrichtung und internen Quereleien hatte war für mich ein bisschen zu ausführlich, allerdings bin ich auch kein Militärhistoriker.
Was mich an diesem Buch sehr interessiert und fasziniert hat waren die strategischen Hintergründe, die so mancher Entscheidung zu Grunde lagen; hier hat der Autor nicht nur gründlich recherchiert sondern auch sehr fesselnd beschrieben.
Auch wenn ich auf so manche Passagen mit Truppenbewegungen durchaus hätte verzichten können - ich habe "Berlin 1945. Das Ende" mit großem Interesse gelesen und kann es allen, die ein bisschen mehr über Geschichte wissen wollen, als in der Schule gelehrt wird, nur empfehlen.
Antony Beevor. Nach einer fünfjährigen Offizierslaufbahn, die ihn ua auch nach Deutschland führte, trat Antony Beevor aus der britischen Armee aus und ging für zwei Jahre nach Paris, wo er seinen ersten von vier Romanen schrieb. Anschließend machte er sich mit einer Reihe von Sachbüchern, vor allem zur Militärgeschichte, einen Namen. Er erhielt 1992 den Runciman Prize, 1997 ernannte ihn die französische Regierung zum Chevalier de l ´Ordre des Arts et Lettres. Für seinen in 19 Sprachen übersetzten Bestseller "Stalingrad" wurde er mit dem Samuel Johnson Prize, dem Wolfson Prize for History und dem Hawthornden Prize for Literature 1999 ausgezeichnet.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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