Jean-Dominique Bauby - Schmetterling und Taucherglocke

Originaltitel: Le Scaphandre et Le Papillon
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 1997
144 Seiten, ISBN: 3423125659

Am 8. Dezember 1995 änderte sich für Jean-Dominique Bauby durch einen Gehirnschlag sein gesamtes bisheriges Leben: Vollständig gelähmt, unfähig zu sprechen ist sein einziger Kontakt zur Außenwelt sein linkes Augenlid, das er noch bewegen kann: Mit ihm und mit Hilfe eines besonderen Alphabets kann er Buchstabe für Buchstabe seine Mitteilungen diktieren.

Der Titel „Schmetterling und Taucherglocke“ beschreibt treffend seine Situation als Opfer des Locked-in-Syndroms: Eingesperrt in seinen Körper wie in eine Taucherglocke ist sein Geist wach und frei wie ein Schmetterling.

Als er erfährt, dass er von anderen nur noch als eine Art „Gemüse“ betrachtet wird beschließt er, dieses Buch zu schreiben um allen zu zeigen dass sein geistiges Niveau „dem einer Schwarzwurzel überlegen ist“.

Ohne dieses Buch würden wir so einen Menschen wohl bedauern in seiner Abhängigkeit und Hilflosigkeit. Bauby schenkt uns aber Einblick in eine Welt, die voller Leben, Phantasie und Humor steckt. Er lässt uns teilhaben an seinen Erinnerungen, die er in seiner Lage neu deutet und versteht. Dennoch verschweigt er nicht seine Verzweiflung und Ohnmacht wenn sie bei allem Mühen darum, der Situation Lebensqualität abzuringen, plötzlich mit voller Wucht durchbricht.

Wie liest man ein Buch, das so geschrieben wurde: Buchstabe für Buchstabe mit dem Augenlid diktiert, von einem, der „in einem Kerker mit einem einzigen Oberlicht“ gefangen ist.

Für mich war es kein Buch wie jedes andere, ich habe es mit Ehrfurcht gelesen, jedes Kapitel für sich, mit viel Pausen dazwischen. Jedes kostbar wie ein Juwel. Jedes Kapitel hat Jean-Dominique Bauby zuerst im Kopf zusammengestellt und Wort für Wort auswendig gelernt, bevor er es diktieren konnte.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass jeder Satz so treffend, so scharfsinnig, schonungslos aber ohne Bitterkeit und ohne eine Spur von Selbstmitleid daherkommt. Das Unglaublichste für mich ist aber der Humor, der in diesem Text steckt. Er schwingt im ganzen Buch auch noch in den verzweifeltesten Passagen leise mit, kommt aber oft auch ganz direkt zu Tage, so dass man schmunzeln oder herzlich lachen kann wenn er mit liebevollem Humor seine Mitmenschen beschreibt.

„Schmetterling und Taucherglocke“ ist ein Buch, das mich berührt hat.

Jean-Dominique Bauby

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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