Giorgio Bassani - Die Gärten der Finzi-Contini

Originaltitel: Il giardino dei Finzi-Contini
Roman. Piper Verlag 1964
358 Seiten, ISBN: 3492203140

Unbeschwert und heiter waren sie noch, jene Tage der Kindheit, als vieles zwar schon in der Luft lag, aber noch nicht wirklich wahrgenommen wurde.

Der Erzähler wächst in der jüdischen Gemeinde von Ferrara auf - und liebt schon als Kind die schöne Micol, die unerreichbar für ihn im großen Anwesen der Familie lebt, die er nur bei den Abschlussprüfungen an der Schule und beim Segen in der Synagoge sieht.

Einmal, als Kind, will sie ihn hinüberlocken in ihr Paradies, die Gärten der Finzi-Contini, doch ihn schwindelt ob der hohen Mauer, die sie trennt.

Nach Aufkommen der Rassengesetze ändert sich etwas an der Stimmung in Ferrara - die Juden sind nirgends mehr gerne gesehen, für die Jugend macht sich dies vor allem durch den Ausschluss aus dem Tennisverein bemerkbar.

Die Finzi-Continis, die sich zuvor eher abgesondert hatten, öffnen nun ihr Haus, laden zum Tennisspiel in den Garten, bewirten die Jungen. Es ist eine sehr gemischte Gesellschaft; der Erzähler fühlt sich dennoch privilegiert, merkt er doch, welch besonders Interesse Micol ihm entgegenbringt.

Als die Saison zu Ende ist, beginnen die Telefonanrufe; doch eines Tages ist sie weg, ganz plötzlich abgereist. Und hat ihrem Bruder den Auftrag hinterlassen, ihn ins Haus zu holen. Den ganzen Winter über verbringt er fast jeden Tag bei den Finzi-Continis, arbeitet dort an seinen Studien weiter, unterstützt von Micols Vater. Bis sie wieder da ist - und er versucht, aus dieser Freundschaft eine Liebesbeziehung zu machen....

Vor einigen Jahren hatte ich das Buch schon einmal gelesen - mit großer Begeisterung. Diese wehmütige, verhaltene Liebesgeschichte, die eigentlich gar nicht zustande kommt, hatte mich sehr berührt.

Dieser Teil des Buches hat mich auch beim Wiederlesen sehr stark angesprochen - allerdings empfand ich es dennoch diesmal als zu langatmig und streckenweise richtig zäh.

Bassanis Stärke liegt in der subtilen Beschreibung des Verhältnisses zwischen dem Erzähler und Micol; diese einseitige Liebe, deren Einseitigkeit der Erzähler nicht erkennt und nicht wahrhaben will. Den Höhepunkt bildet für mich in diesem Zusammenhang ein Telefonat der beiden.

In Erinnerung bleiben wird mir von diesem Buch auch diesmal wieder eine traurige Liebesgeschichte, die durch ihre Nichterfüllung erst bewahrenswert wird - die vielen zähen Seiten bleiben vergessen.

Giorgio Bassani

Giorgio Bassani, am 4. März 1916 in Bologna geboren, lebte bis 1943 in seiner Vaterstadt Ferrara. Studierte in Bologna Literatur und Kunstgeschichte. Gymnasiallehrer in Neapel; 1943 als Antifaschist verhaftet. Seit Kriegsende in Rom ansässig. Mitarbeiter in verschiedenen Verlagen und beim Rundfunk; Herausgeber mehrerer Zeitschriften.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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