Benjamin von Stuckrad-Barre - Soloalbum

Originaltitel: Soloalbum
Roman. Kiepenheuer & Witsch 1998
246 Seiten, ISBN: 3462027697

Seine Freundin hat ihn verlassen. Und genau das ist der Grund, warum er jetzt weiß: sie war die einzige, die er geliebt hat, trotz gelegentlicher Soloprojekte. Er will sie wieder zurückhaben, soviel ist klar - nur sie scheint nicht zu ihm zurückzuwollen.

Andre Frauen gibt es jetzt natürlich auch; aber erstens kann keine Katharina das Wasser reichen, und zweitens klappt es auch sonst nicht so recht. Dabei gibt er sich wirklich Mühe, sich zu verlieben, und sie sich auch; aber über ein permanentes sich-gegenseitig-versichern, wie froh man ist, sich gefunden zu haben, geht es nicht hinaus.

Und natürlich wird auch durch die Clubs gezogen, auf Privatparties gegangen; die Leute hören schreckliche Musik, sagen schreckliche Sachen und sind überhaupt als Ganzes recht schrecklich.

Nach einem Jahr hat er es soweit geschafft, daß er Katharina an deren Geburtstag nicht mehr anruft, in einer neuen Stadt lebt, einen neuen Job hat - und trotzdem mal eben nach Passau muß, wo er eine Liebste weiß….

Es gab durchaus sehr sehr witzige Stellen in diesem Buch, wenn der Autor über Musik und deren Hörer lästert; aber als großes und ganzes konnte ich mich mit dem Autor einfach nicht anfreunden.

Das einzige, was an Atmosphäre und Charakterschilderung wirklich gelungen rüberkam, war eben das Bild eines eingebildeten, selbstgerechten jungen Schnösels, dessen Humor sich immer nur gegen Andre richtet, der nicht in der Lage ist, auch mal über sich selber zu lachen.

Wenn er mal Selbstkritik äußert, dann immer in dem Tenor: Guckt mich mal an, wie toll ich bin: jetzt kritisiere ich mich sogar, obwohl ich es gar nicht nötig hätte.

Leider ist es mir nicht möglich, meine Meinung in einem ähnlich gehässigen Tonfall zu äußern, dessen sich der Autor des Buches befleißigt.

Nun ja - trotz alledem hatte es humorvolle Elemente. Allerdings ist Nick Hornbys "High Fidelity", dem es ganz eindeutig nachempfunden wurde, um Klassen besser; Nick Hornby kann nämlich schreiben.

Benjamin von Stuckrad-Barre

Benjamin v. Stuckrad-Barre, geboren am 27. Januar 1975 in Bremen. Er schreibt für verschiedene Blätter, die allesamt am Kiosk ausliegen. Er lebt in Köln

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.01.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing