John Banville - Athena

Originaltitel: Athena
Roman. Kiepenheuer & Witsch 1996
285 Seiten, ISBN: 3462025643

Morrow ist kein unbeschriebenes Blatt - er hat im Gefängnis gesessen, war gewalttätig, hat Frau und Kinder verloren.

Doch nun hat er seinen Namen geändert, wie schon häufiger übrigens. Er hat keinerlei Geldsorgen mehr, seine Tante Corky hat ihm ihr gesamtes Vermögen hinterlassen, nachdem er sie in den letzten Wochen bei sich aufgenommen hatte.

Tante Corky - sie war nicht seine richtige Tante, und eigentlich wusste er bis zum Schluss nicht, wer oder was sie nun wirklich war, welche ihrer Geschichten der Wahrheit entsprachen und welche nicht.

Doch eigentlich drehen sich seine Gedanken nur noch um Eine - um A., seine Geliebte, die er eines Tages kennen gelernt hatte, die ihn mitnahm in Mordens Haus. Eine Frau, der er mit jeder Faser verfallen war, und deren Geheimnis er nicht zu lüften vermag.

Morden hatte ihn in dieses Haus geholt, um Gutachten abzugeben über einige Bilder niederländischer Maler zu klassifizieren - Bilder, die gestohlen waren, wie er später erfährt. Er wird in einen Sumpf hineingezogen, aus dem er sich nicht befreien kann - und er versucht nun, da alles zu spät ist, immer wieder zu rekapitulieren, was passiert war, und ist all überall auf der Suche nach seiner A.. Schreib mir, hatte sie ihm beim Abschied gesagt, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Und er schreibt.

Ich denke, ich habe einiges aus diesem Buch nicht verstanden - ich hätte es begrüßt, die Vorgängerbände dazu, "Das Buch der Beweise" sowie "Ghost", das noch nicht einmal ins Deutsche übersetzt wurde, auch gelesen zu haben.

Denn die Anspielungen auf eine dunkle Vergangenheit, die wohl in einem der anderen Bücher behandelt wurde, sind sehr zahlreich.

Anfangs habe ich dieses Buch nun auch schon bei der zweiten Lektüre atemlos verschlungen; atemlos, weil die Sprache so wunderbar bildhaft und prall war. Zwischendurch gab es aber auch wieder Phasen, die ich entweder nicht verstanden habe, oder die tatsächlich keinen Sinn ergaben - ich weiß es nicht.

Aber es ist definitiv ein Autor, den ich weiter im Auge behalten werde, weil er unglaubliche Intensität erreichen kann.

Wunderbar das Spiel mit der Erinnerung; Morrow erinnert sich, aber er gibt gleichzeitig auch zu, dass er genau weiß, manches kann sich nicht so zugetragen haben, wie er es vor seinem geistigen Auge noch vor sich sieht.

John Banville

John Banville, geboren 1945 in Wexford, Irland, gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen irischen Autoren. Er hat zahlreiche Romane veröffentlicht, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Banville ist Literaturredakteur der Irish Times und lebt in Dublin. Ausgezeichnet mit dem Man Booker Prize.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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