Hans Bankl - Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten

Originaltitel: Kolumbus brachte nicht nur die Tomaten
Sachbuch. Kremayr & Scheriau 2002
285 Seiten, ISBN: 3218007097

Die Geschichten hinter der Geschichte zu erzählen, dem Leser damit Lust zu machen, sich nicht nur die Anekdote zu merken, sondern auch ein wenig zusätzliches Allgemeinwissen zu erwerben, das ist das große Anliegen des Autors. Ein wenig orientiert er sich dabei an Stefan Zweig´s "Sternstunden der Menschheit", der es ja auf wunderbare Weise geschafft hat, einzelne Momente der Weltgeschichte zu beleuchten, die für sich genommen wenig bedeutsam doch den Lauf der Geschicke verändert haben.

Eine dieser Geschichten greift auch Bankl auf, wenn er von der Geburtsstunde des Marsailleise erzählt - und davon, dass ihrem Schöpfer nur wenig Ruhm beschieden war. Aber wo Zweig auch sprachlich zu brillieren weiß, er, wie ja auch in seinen Novellen gezeigt, Spannungsbögen zu nutzen weiß, baut Bankl seine Frage als Rätsel auf, wiederholt sich daher im zweiten (Rätselauflösenden) Teil sehr stark, und weckt eher Langeweile als Interesse.

Gut und interessant wird Bankl da, wo es um Medizin geht. Wenn er vom Aufkommen der Syphilis erzählt, dann merkt man, das hier jemand spricht, der die Materie kennt. Dieser Siegeszug einer Krankheit ist unterhaltsam zu lesen, auch in den Detailinformationen, welche berühmten Figuren der Geschichte daran gelitten haben.

Der Ansatz des Buches hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich persönlich habe auch ein Faible für die kleinen Histörchen, die viel markanter im Gedächtnis bleiben als Jahreszahlen und Schlachten; aber leider hat Bankl meine Erwartungen in dieser Hinsicht nur unzureichend erfüllt. Gerade die Struktur, die Geschichten als Rätsel aufzubauen, hätte noch einmal überdacht werden sollen; als Idee sicher gut und spannend, lässt die Ausführung leider etwas zu wünschen übrig. Eine stringentere Erzählweise, mit Berücksichtigung von Erzählmomenten wie Spannungsaufbau, Einstieg etc., hätte das Leserinteresse sicherlich zu steigern geholfen.

Hans Bankl

Univ-Prof. Dr. Hans Bankl, Jahrgang 1940, war mit 31 Jahren der jüngste Pathologie-Dozent Österreichs und gilt als international anerkannte Kapazität seines Faches. Aber nicht nur mit seinen über 120 wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch mit seinen Bestsellern "Die kranken Habsburger", "Der Pathologe weiß alles - aber leider zu spät" und "Im Rücken steckt das Messer" hat er sich als Autor einen Namen gemacht.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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