Ingeborg Bachmann - Malina

Originaltitel: Malina
Roman. Suhrkamp Verlag 2000
350 Seiten, ISBN: 3596164672

Ivan, so heißt er, die große Liebe. Ivan, der so selten Zeit hat. Wenn er anruft und sagt, dass er am Abend doch nicht kommt, fühlt sich der Telefonhörer kalt und tot an. Und was nützt alle Belesenheit, wenn man kein Kochbuch kennt, wenn Ivan etwas aufgetischt haben möchte. Für Ivan würde sie alles tun, alles lernen, um ihn zu fesseln, zu interessieren - denn sie allein genügt nicht.

Ivan versteht sie aber gar nicht - ganz im Gegensatz zu Malina, dem man nicht erklären muss, was geschieht. Malina, der Ivan ganz bewusst ignoriert, der aber im Laufe der Zeit immer stärker an Einfluss gewinnt.

Und Malina ist es auch, der Ivan schlussendlich am Telefon mitteilt, dass unter dieser Telefonnummer nie eine Frau erreichbar war....

Dieser Roman wurde für den geplanten Zyklus "Todesarten" geschrieben - an der Liebe sterben. Es war Mord, schreibt sie ganz zum Schluss.

Gibt es Malina wirklich als physische Person? Oder ist er nur die Stimme der Vernunft, die immer stärker wird, weil die Liebe zu Ivan etwas ist, das sie völlig zu zerstören droht, und die schließlich die Überhand behält? Wie soll man das Verhältnis zu ihrem Vater deuten?

Es ist kein Buch, das man einfach so lesen kann - ohne Interpretationsversuche ergibt es ganz und gar keinen Sinn. Und das ist eigentlich etwas, was ich an einem Buch nicht unbedingt schätze.

Es gab Stellen, die waren so schonungslos offen und ehrlich, dass sie mir tief in der Seele wehgetan haben. Die Schilderung dieser absoluten Abhängigkeit der eigenen Stimmung von einem Zeichen Ivans, von einem Wort, einer Geste, konnte nur von jemandem stammen, der dies selbst erlebt hat. Ich habe es als unglaublich mutig empfunden, dies auch so niederzuschreiben - mehr Einblick in die eigenen Seelenqualen kann man kaum noch gewähren.

Aber trotz alldem war es auch ein sehr konfuses, wirres Buch für mich - und dadurch auch streckenweise sehr langweilig. Eine Antwort auf die Frage: hat es dir gefallen? würde mir sehr schwer fallen; der erste Teil ja, auch wenn er wehgetan hat - danach hat es mich mehr und mehr ermüdet, bis es gegen Ende hin wieder interessanter wurde.

Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, gestorben 1973 in Rom

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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