Esmahan Aykol - Hotel Bosporus

Originaltitel: Kitapci Dükkani
Roman. Diogenes 2003
287 Seiten, ISBN: 3257063717

Seit 13 Jahren lebt Kati Hirschel nun schon in Istanbul; trotz aller Widrigkeiten, der Politik, die ihr und ihren Freunden regelmäßig die Haare zu Berge stehen ließ, gab es für sie keine andere Stadt, in der sie würde leben wollen.

Vor einiger Zeit hatte sie sich mit der ersten Krimibuchhandlung in Istanbul selbständig gemacht. Ein treues Stammpublikum, eine schöne große Wohnung, ein gut funktionierender Freundeskreis - bis auf den Mann, der an ihrer Seite noch fehlte, hatte Kati alles, was sie zu ihrer Zufriedenheit brauchte.

Ein wenig Abwechslung kam aber trotzdem immer wie gerufen; als eine Freundin aus Schulzeiten, die in der Zwischenzeit Karriere im Filmgeschäft gemacht hatte, sich überraschend bei ihr meldete, war die Freude groß; so gut sie sich auch einst verstanden hatten, hätte Kati doch nie geglaubt, dass Petra als Berühmtheit nun noch an Kontakt mit ihr interessiert wäre.

Für Petra gab es einen guten Grund, sich bei Kati zu melden: sie sollte einen Film in Istanbul drehen, würde einige Wochen in der Stadt sein und Kati dabei gerne sehen.

Sie verbringen auch einen ersten schönen Abend gemeinsam, erzählen sich, was in der Zwischenzeit in ihren Leben vorgefallen ist; fassungslos hört Kati sich an, was Petra hinter all dem Glamour hatte durchmachen müssen, welche Schläge das Schicksal für sie bereitgehalten hatte.

Doch damit sollte es nicht genug sein - denn schon nach wenigen Tagen wird der Regisseur von Petras Film tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Und Petra steht unter Mordverdacht...

Kati sieht ihre Chance gekommen, das aus unzähligen Krimis erworbene Wissen einzusetzen und den Mord aufzuklären. Dass sie sowohl Deutsch als auch Türkisch fließend spricht erweist sich hier von unschätzbarem Wert; der ermittelnde Kommissar interessiert sich aber schon bald nicht nur für Katis Sprachkenntnisse - und bringt sie damit in große Gewissensbisse: sie kann sich doch nicht mit einem Polizisten einlassen! Oder doch?...

Wie der Mordfall letztendlich aufgelöst wird, ist zwar letztendlich nett zu wissen - aber der eigentliche Grund, warum man dieses Buch nur ungern wieder aus der Hand legt, ist die sehr sympathische Erzählweise. Hier wird gekonnt mit deutsch-türkischen Vorurteilen gespielt, werden die Eigenheiten, die die einen den anderen zuschreiben, ausgesprochen amüsant auf die Schippe genommen, und so ganz nebenbei kriegt man auch noch ein Bild der Stadt Istanbul präsentiert, das unbedingt dazu einlädt, bald in diese Stadt zu fahren und die netten Viertel und Plätze zu entdecken, die Kati Hirschel so liebt.

Da verzeiht man der Autorin dann auch, dass sie beim Schildern der Liebesabenteuer ihrer Heldin ein wenig arg dick aufträgt; erst jammert Kati, dass kein akzeptabler Mann verfügbar ist, und dann liegen ihr reihum Ermittler und Verdächtige zu Füßen und machen ihr zum Teil sehr plumpe Avancen. Das hat allerdings durchaus auch sehr komische Elemente - gelacht habe ich beim Lesen insgesamt sehr häufig, mich gut unterhalten, und freue mich schon, wenn der zweite (in der Türkei bereits erschienene) Fall von und mit Kati Hirschel auch auf Deutsch erhältlich ist.

Esmahan Aykol

Esmahan Aykol, 1970 in Edirne in der Türkei geboren, lebt heute in Berlin und Istanbul. Während des Jurastudiums arbeitete sie als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Später eröffnete sie zusammen mit einer Freundin eine Bar, die bald Pleite ging. Die Freundin eröffnete anschließend eine Buchhandlung, und Esmahan Aykol schrieb einen Roman, der in dieser Buchhandlung (sowie in der ganzen Türkei) reißenden Absatz fand: Hotel Bosporus

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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