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Paul
Auster - Timbuktu
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Paul Auster überrascht uns dieses Mal mit einem Protagonisten der vierbeinigen Art: Gestatten, Mr. Bones, eine wahre Promenadenmischung. Obwohl Mr. Bones wie ein Mensch denkt, beherrscht er die menschliche Sprache nicht. Seine Geschichte wird uns von einem ungenannt bleibenden Dritten erzählt. Mister Bones ist meiner Meinung nach der quintessentielle Philosoph, irgendwo zwischen Socrates und Aristoteles anzusiedeln. Es spricht mich nicht nur sein Wissen des Nichtwissens, sondern auch seine Suche nach Ursache und Prinzipien aller Dinge, die in seine Welt, sein Leben eintreten, an. Mister Bones ist der beste und auch der einzige Freund von William Gurevitch alias Willy G. Christmas. Willy ist ein am Rande der menschlichen Gesellschaft lebender Vagabund. Sein Lebensinhalt ist die Schriftstellerei. Er schreibt und schreibt, konnte aber für keines seiner Werke einen Verleger finden. Der Roman Timbuktu beginnt an einem trüben Sonntag in Baltimore. Willy und Herr Doktor Bones sind am Ende einer langen Reise angelangt. Sie suchen gerade die Calvert Street. Mr. Bones fürchtet, dass Willy G. Christmas irdischem Dasein allzu bald das Ende droht. Willy hat sich mit Mr. Bones während der letzten Wochen eindringlich über das Leben nach dem Tode, über die Trennung von Leib und Seele, unterhalten. Mr. Bones versteht, was Willy ihm erzählt. Er versteht Ingloosh, die Sprache der Zweibeiner, mindestens so gut versteht wie jeder andere Einwanderer nach sieben Jahren Amerika. Bei Willys Sprachbesessenheit (he is a dyed-in-the-wool logomaniac) und Verliebtheit in die eigene Stimme kein Wunder: redet er doch fast ununterbrochen vom Morgen bis zum Abend wie von Mann zu Mann mit seinem Hund. Mr. Bones ist mittlerweile überzeugt davon, dass nach dem Tod nicht nur ein neues Leben für die Seele, sondern auch ein ganz konkreter Ort auf sie wartet: The next world was a real place. It was called Timbuktu. Für Willys treuen Begleiter ist es ganz unwichtig, ob Timbuktu mitten in der Wüste liegt, wie er vermutet. Ob es dort kalt oder heiß ist, ob es was zu fressen gibt dort oder nicht. Wenn Willy dorthin geht, will er ihm nachfolgen. Es erscheint ihm gut und richtig, dass er auch im Jenseits von seinem Herrchen nicht getrennt werden sollte. Sie war Willys Idee, diese lange Wanderschaft von Brooklyn nach Baltimore. Bevor er das Zeitliche segnet, wollte er noch zwei Dinge verwirklichen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, dass nur seine ehemalige High-School-Lehrerin, Bea Swanson, ihm bei der Verwirklichung seiner Pläne helfen konnte. Sie war und ist die einzige Person, die an sein schriftstellerisches Talent glaubt. Letztbekannter Wohnsitz von Frau Swanson ist Baltimore, daher diese letzte, große Reise. Dieses Unternehmen, Chesapeake Gambit, hat er mit dem Ziel begonnen, ein neues Zuhause für Mr. Bones zu finden. Gleichzeitig will er Mrs. Swanson seine unveröffentlichten Manuskripte, darunter sein unvollendetes Epos Vagabundentage, anvertrauen. Die Ereignissse überschlagen sich und Willy stirbt, bevor Miss Swanson gefunden wird. Mr. Bones ist jetzt allein und versteht, dass er weiterwandern muss, ob er will oder nicht. Auf seinen einsamen Wanderungen, ständig auf der Flucht, findet er vorerst Liebe und Zuneigung bei Henry Chow, einem elfjährigen Jungen. Auch wenn dieses Intermezzo nicht lange anhält, lernt Mr. Bones eine weitere Lebensweisheit: Liebe ist keine Substanz, die sich quantifizieren lässt. Auch wenn man eine Liebe verliert, kann man wieder eine andere finden. Er beschließt, Baltimore, diese Stadt des Todes und Verzweiflung für immer hinter sich zu lassen und bricht auf Richtung Westen. Er lernt verstehen, dass Willy immer bei ihm sein wird und dass Erinnerungen nicht nur schmerzlich sein müssen. Ab und zu kann man seine Gedanken bei den Toten weilen lassen und daraus sogar Trost schöpfen. Er wandert weiter, voller Vertrauen, dass irgendwo eine neue Liebe auf ihn wartet. Copyright bei Maria Anonymus, September 1999 |
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Leseprobe:
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By the time Willys parents arrived in Brooklyn in
1946, it wasnt a new life they were starting so
much as a posthumous life, an interval between two
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© Daniela Ecker
LESELUST
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