Paul Auster - Mond über Manhattan

Originaltitel: Moon Palace
Roman. Rowohlt Verlag 1990
382 Seiten, ISBN: 3499227568

Bereits auf der ersten Seite des Buches wird der gesamte kommende Inhalt vorweg genommen.

Marco Stanley Fogg lebt in einem leeren Apartment in New York. Möbel hat er keine - er verwendet dafür die Bücherkartons seines Onkels. Als dieser plötzlich stirbt, bricht für Marco eine Welt zusammen - er wurde von Victor aufgezogen, da seine Mutter sehr früh gestorben ist, und einen Vater hat es nie gegeben.

In den Wochen nach Victors Tod verbraucht Marco beinahe sein gesamtes Kapital, das zur Finanzierung seines Studiums gedacht war. Anstatt sich nun einen Job zu suchen oder sonstwo Hilfe zu suchen, beschließt er, sich dem Chaos zu überlassen, ernährt sich von so wenig wie möglich. Nach und nach verschwindet alles, was sich zu Geld machen läßt aus seinem Apartment, und irgendwann ist es soweit - er wird aus der Wohnung geworfen.

In den folgenden Wochen lebt er im Central Park - doch zu seinem Glück hat Kitty, die er erst wenige Tage zuvor kennengelernt hatte, versucht, ihn zu besuchen - und startet daraufhin eine Suchaktion, gemeinsam mit einem alten Freund Marcos. Sie retten ihm buchstäblich das Leben, unterernährt und geschwächt von Fieber, wie er damals war.

Eine ungewöhnliche, leidenschaftliche Liebesbeziehung beginnt. Außerdem findet er auch einen Job - er läßt sich von Thomas Effing, einem alten Mann im Rollstuhl, engagieren, um dessen Nachruf zu verfassen.

Hier erfährt er ganz ungewöhnliche Geschichten - daß Effing nicht immer diesen Namen trug, sondern früher Julian Barber hieß - und für tot gehalten wurde. Erst vor wenigen Jahren hat er selber erfahren, daß er einen Sohn hat - dem er sein Geheimnis jedoch nie verraten hatte. Doch er bittet Marco, dies nach seinem Tod für ihn zu tun.

So lernt er Solomon Barber kennen, den größten und dicksten Mann, den er jemals gesehen hat. Sol ist auch für ihn da, als er aus eigenem Verschulden Kitty verliert - und die beiden machen sich auf die Suche nach der Höhle, die im Effings Bericht immer wieder erwähnt wird, machen jedoch noch beim Grab von Marcos Mutter halt - wo er mit ihn erschreckenden Neuigkeiten konfrontiert wird.... So skurill und abstrus manche der Geschichten, die im Laufe dieses bunten Erzählreigens vorkommen, auch sein mögen - sie sind fantastisch gut erzählt, jede für sich abgeschlossen, und trotzdem im großen Zusammenhang schlüssig.

Beim Lesen dieses Buches bin ich kopfüber in einen Strudel von Emotionen gestürzt. Eigentlich ist man ja vorbereitet auf das, was kommen wird - schließlich steht schon auf der ersten Seite, was auf den folgenen fast 400 folgen wird, und auch zwischendurch wird immer schon vorgegriffen.

Der Zufall spielt in Austers Büchern immer eine große Rolle - man begegnet außerdem plötzlich auch der Hauptfigur eines anderen Buchs von ihm, "Im Land der letzten Dinge", wenn auch nur in einem Nebensatz erwähnt. Themen, die er in anderen Büchern behandelt hat, werden kurz angeschnitten.

Für mich war dies hier neben "Leviathan" das beste Buch von Auster!

Paul Auster

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University und verbrachte danach einige Jahre in Paris. Heute lebt er in Brooklyn. Er ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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