Katrin Askan - Wiederholungstäter

Originaltitel: Wiederholungstäter
Erzählung(en). Berlin Verlag 2002
256 Seiten, ISBN: 3827004217

In der Erzählung, die mir aus diesem Band am besten gefällt, nimmt die Frau an einem Programm teil, das ihr einen Auslandsaufenthalt erlaubt. Und da sie ihre Forschungen schon vorher abgeschlossen hatte, bleibt ihr hier viel Zeit. Am Abend geht sie mit den anderen in eine Bar, in der hauptsächlich Einheimische verkehrten. Und schon beim ersten Eintreten sieht sie ihn. Ihre Begleiter haben sich rasch zu Pärchen gefunden, unterhalten sich, und sie - sie sitzt einfach nur hier, zufrieden, ihn ansehen zu können.

Am nächsten Tag kommt sie schon tagsüber. Und sieht ihn gerade noch, als er schon am Gehen ist. Ein paar mal spielen sie dieses Spielchen noch - dann spricht er sie an. Und nimmt sie am Abend mit zu sich nach Hause.

Aber er meldet sich nicht, am nächsten Tag. Auch nicht am Übernächsten. Er freut sich, als sie wieder kommt, kommentiert die vergangenen Tage nicht. Und verspricht ihr einen Ausflug...

Seltsam unterkühlt erscheinen die meisten Geschichten; unprätentiös wird das, was unter dem scheinbaren Gleichmaß der Tage verborgen ist, mitgeteilt; wie zum Beispiel in der Erzählung "Abendprogramm", in der eine Frau sich für den Abend zurecht macht, für ihren Tanz - und am Ende ihre fühllosen Beine ins Bett hebt.

Katrin Askan kann erzählen, sie nimmt uns auch in ihren Erzählungen mit auf eine Reise - und lässt uns traurig zurück, weil Erzählungen eben an sich haben, viel zu rasch zu Ende zu gehen. Und so konnte ich für mich feststellen: ja, ich habe die Erzählungen gerne gelesen; aber eigentlich würde ich lieber wieder einen Roman von ihr lesen, in der Dichte, die sie in ihren Erzählungen zu geben vermag.

Katrin Askan

Katrin Askan wurde 1966 in Ostberlin geboren. Nach ihrer Flucht in den Westen studierte sie an der FU Berlin Philosophie und Germanistik. Seit 1998 lebt sie als freie Schriftstellerin in Köln.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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