Originaltitel: Aus dem Schneider
Roman. Berlin Verlag 2000
304 Seiten, ISBN: 3833301716


In ein paar Stunden wird Judith dieses Haus hoffentlich für immer verlassen - in ein paar Stunden wird sie versuchen, in einem Kofferraum über die Grenze nach Westberlin zu fliehen.
Noch einmal geht sie durch die Räume, erinnert sich zurück - an die Verhaftung ihrer Schwester, an ihren Vater, der ein paar Monate zuvor von einer Besuchsreise in den Westen nicht zurückgekehrt war, von den Repressalien, denen sie daraufhin ausgesetzt waren. Und auch von ihrer Kindheit in Ostberlin.
Parallel dazu wird die Geschichte ihres Großvaters erzählt, der damals zwei Grundstücke zur Auswahl hatte - und sich, wegen einer verpassten Straßenbahn, für dieses im Osten der Stadt entschieden hat. Damals - das ist Berlin in den dreißiger Jahren. Wie die Familie durch den Krieg gekommen ist, wird erzählt, wie es danach war, das Leben in der Ostzone, die Entbehrungen, die Entnazifizierung, und immer wieder der Konflikt zwischen Ost und West - zwischen bleiben und gehen...
Katrin Askan erzählt hier eine Geschichte, die natürlich auch autobiographisch geprägt ist: so wie Judith, die Protagonistin, ist sie 66 in Ostberlin geboren, und 86 im Kofferraum eines Autos in den Westen geflüchtet.
Man merkt dem Roman - auch wenn die erzählte Geschichte erfunden ist - auch wirklich an, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht, wenn sie schildert, wie sie damals gelebt hatten. Eine Zeit, die mittlerweile fast schon in Vergessenheit gerät.
Das alles wird in einer sehr einfachen, schlichten Sprache dargebracht - manchmal für meinen Geschmack zu schlicht. Aber das schmälert die Freude an diesem Buch nur geringfügig.
Ein wichtiges Buch, in meinen Augen - ein kleines Stück Zeitgeschichte.
Katrin Askan wurde 1966 in Ostberlin geboren. Nach ihrer Flucht in den Westen studierte sie an der FU Berlin Philosophie und Germanistik. Seit 1998 lebt sie als freie Schriftstellerin in Köln.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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