Jakob Arjouni - Kismet. Ein Kayankaya-Krimi

Originaltitel: Kismet
Krimi. Diogenes 2001
187 Seiten, ISBN: 3257233361

Es sollte nur ein Freundschaftsdienst sein, an einem Abend erledigt; den Schutzgelderpressern ein wenig Angst einflößen und sie dadurch von dem kleinen schäbigen Lokal fernhalten.

Doch als die beiden weißgeschminkten, schweigsamen Männer das Lokal betreten, lassen sie sich von der bloßen Anwesenheit Kayankayas und seines Freundes nicht einschüchtern, sie beginnen sofort zu schießen. Am Ende liegen zwei Leichen im Lokal - und Kayankaya gibt sich nicht mit der Möglichkeit zufrieden, dass kein Mensch die Angelegenheit verfolgen würde.

Er will wissen, was es mit dieser neuen Bande auf sich hat, wer dahinter steht - und wen er da auf dem Gewissen hat.

Er hat sich einen sehr gefährlichen Gegner ausgesucht. Brutaler als man es je zuvor im Frankfurter Bahnhofsviertel erlebt hatte, wird sofort geschossen und verprügelt.

Trotzdem gelingt es ihm, herauszufinden, dass der Nationalstolz vor allem der schon ewig in Deutschland lebenden Serben, Kroaten, Bosnier zu einem furchtbaren Zweck missbraucht wird...

Ein hochspannender, politisch brisanter Plot, angesiedelt in Mainhattan - das alles erzählt von Jakob Arjouni mit hessischer Gemütlichkeit, bissigem Sarkasmus und zum Teil absolut gegen "Political Correctness".

Ich habe Kayankayas Weg durch diverse Kneipen, Chefzimmer, Flüchtlingsheime und Bordelle jedenfalls mit großem Interesse mitverfolgt, mit ihm gelitten, wenn er schon wieder Prügel kassiert hatte, und mich nebenbei königlich über seine frech-provokanten Bemerkungen amüsiert.

Der Unterschied zu einem amerikanischen Krimi aus diesem Genre besteht vor allem darin, dass das Ambiente diesmal ganz und gar nicht exotisch ist, sondern jederzeit leicht erreichbar: das Frankfurter Bahnhofsviertel.

Sehr empfehlenswert!

Jakob Arjouni

Jakob Arjouni wuchs in Frankfurt / Main auf, und lebt heute in Berlin und Frankreich.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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