Jakob Arjouni - Idioten. Fünf Märchen

Originaltitel: Idioten. Fünf Märchen
Erzählung(en). Diogenes 2003
150 Seiten, ISBN: 3257233892

Fünf Märchen verspricht der Titel, von Idioten ist die Rede, und dann gibt es noch eine gute Fee, die Wünsche erfüllt... und das soll ein Buch werden, das man freiwillig liest und auch noch Spaß daran hat? Wo ist denn der zynische Autor der Kayankaya-Romane hin verschwunden, was ist ihm widerfahren, dass er jetzt zum Märchenonkel wurde?

Keine Angst. Der gnadenlose Alltagsbeobachter ist noch da, seine Texte sind zynisch und witzig wie eh und je - und diese fünf Märchen haben mich sogar ganz ausgezeichnet unterhalten!

Die gute Fee, die hier die Wünsche erfüllt, räumt auch gleich mit dem Vorurteil auf, man hätte drei Wünsche zur Verfügung - nein, einer müsse ausreichen. Und der am häufigsten geäußerte Wunsch sei, man höre und staune: Eine Geschirrspülmaschine.

Die Regeln sind schließlich streng: Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe sind ausgeschlossen, nicht jeder wünscht sich Ruhm und Aufmerksamkeit (auch wenn, wie die Talkshows beweisen, noch genügend Menschen diesen Wunsch äußern). Außerdem ist es mit dem Wünschen so eine Sache: immaterielle Wünsche können gar zu leicht nach hinten losgehen, schließlich wird so ein Wunsch dem Buchstaben nach erfüllt - aber wer weiß schon, welche Veränderungen sich daraus ergeben?

Nicht alle fünf Geschichten sind gleich stark, und zum Nacherzählen eignen sie sich schlecht - aber für mich bilden sie auch eher das Grundgerüst, um das herum Arjouni sein Feuerwerk an trockenen Alltagsschilderungen abfeuern kann. Aber einzelne Szenen möchte man am liebsten auf Partys als eigene Einfälle nacherzählen - Lacherfolg wird garantiert!

Kritisch, klug, und mit Humor - ja, ich kann die fünf Märchen guten Gewissens weiter empfehlen!

Jakob Arjouni

Jakob Arjouni wuchs in Frankfurt / Main auf, und lebt heute in Berlin und Frankreich.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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