Karin Alvtegen - Die Flüchtige

Originaltitel: Saknad
Krimi. Wunderlich Verlag 2000
270 Seiten, ISBN: 3805206984

Während der Kindheit sämtliche Normen der Eltern erfüllen zu müssen und dabei zutiefst unglücklich zu sein reicht für ein ganzes Leben - der Meinung ist zumindest Sibylle. Aufgewachsen in ländlicher Umgebung, aber als Tochter des Fabrikbesitzers etwas "Besseres" - ein Umstand, der von ihrer Mutter immer wieder hervorgehoben wurde - hat sie nicht die Chance, Freunde zu finden.

Seit dem großen Eklat mit ihrer Familie lebt Sibylle auf der Straße. Ein kleiner Notgroschen, von der Mutter monatlich überwiesen, hilft ihr, nicht allzu häufig zu unerlaubten Handlungen greifen zu müssen.

Ein warmes, weiches Bett, eine Badewanne - das sind trotzdem normalerweise unvorstellbare Luxusartikel. In einem guten Elternhaus aufzuwachsen bietet aber auch Vorteile. Zum Beispiel, sich - entsprechend gekleidet - von wohlhabenden Geschäftsreisenden eine Hotelnacht spendieren zu lassen.

Es klappt auch diesmal. Dass aber morgens die Polizei an der Tür klopft, ist im Plan nicht vorgesehen. Ebenso wenig, feststellen zu müssen, dass der Mann, der sie am Vorabend eingeladen hatte, ermordet wurde. Und dass sie dafür verantwortlich gemacht wird.

Es passieren noch weitere Morde. Und alle weisen auf sie hin. Und sie, die doch nur ihre Ruhe haben wollte, merkt, dass sie gejagt wird. Und sie sich auf der Flucht befindet.

Dass sie jetzt selbst gefordert ist, herauszufinden, wer der Mörder ist, darauf bringt sie ein kleiner Junge, den ihr Sandlerleben fasziniert. Gemeinsam suchen sie nun nach dem Motiv, dass all den Morden zugrunde liegt...

Auch wenn nicht alles so hundertprozentig plausibel war, wie ich es mir wünsche - es war ein wirklich spannender, gut zu lesender Krimi, den ich gerne weiterempfehle!

Das Leben auf der Straße, der Wunsch, einfach nur in Ruhe gelassen zu werden, sich nicht mit den Anforderungen einer Welt auseinandersetzen zu müssen, die von meinen wirklichen Bedürfnissen keine Ahnung hat - das war so grandios geschildert, dass ich am liebsten auch sofort zu arbeiten aufgehört hätte, und mich auf meine vier Wände beschränkt hätte.

Auch das geschilderte Motiv, das den Morden zugrunde liegt, fand ich sowohl plausibel als auch hochspannend.

Von der Großnichte Astrid Lindgrens erwartet man ja fast, dass sie Geschichten erzählen kann. Und das Schöne: Sie enttäuscht diese Erwartungen nicht!

Karin Alvtegen

Karin Alvtegen, 1965 geboren, ist die Großnichte von Astrid Lindgren. Sie lebt mit ihrer Familie in Stockholm und arbeitete zuletzt als Drehbuchautorin. Von der schwedischen Presse wurde sie bereits mit Henning Mankell und Liza Marklund verglichen.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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