Isabel Allende - Portrait in Sepia

Originaltitel: Retrato en Sepia
Roman. Suhrkamp Verlag 2001
457 Seiten, ISBN: 3518412809

Als Aurora 1880 in China Town in San Francisco geboren wird, sind diesem Ereignis bereits sehr dramatische Ereignisse vorausgegangen. Offiziell ist sie die Tochter von Severo del Valle, dem jungen Chilenen, der von seiner Familie zu seiner exzentrischen Tante Paulina abgeschoben wurde. Bereits bei seinem ersten Aufenthalt in San Francisco hatte er sich, damals noch ein Kind, in die umwerfende Schönheit Lynns, Auroras Mutter, verliebt. Als er dann zurückkommt und feststellen muss, dass sein Vetter Matías das naive Mädchen eines Wettgewinns wegen verführt, vergisst er seine langjährige Verlobte Nívea in Santiago und heiratet die schwangere Lynn, auch wenn sie ihm keine Liebe verspricht.

Lynn stirbt kurz nach der Geburt. Severo muss zurück nach Chile, um im Salpeterkrieg zu kämpfen. Und Paulina beschließt, um das Kind zu kämpfen, die Tochter, die sie nie hatte. Paulina war eine gewaltige Erscheinung, die sich mit ihrem Mann in San Francisco zur obersten Gesellschaftsschicht vorgekämpft hatte. Ihr untrüglicher Geschäftssinn hatte ihnen geholfen, ein Vermögen anzuhäufen. Als Lynns Eltern mit der Nachricht kamen, ihre Tochter wäre von Matías geschwängert worden, lehnten sie eine Verbindung der beiden Familien stolz ab. Doch unter den neuen Umständen sah Paulina sich bereits als stolze Großmutter. Doch erst der Tod von Lynns Vater bringt ihr dieses Enkelkind ins Haus.

Es wäre das Beste, ihre vergangenen fünf Jahre auszulöschen, beschließt sie; und dazu gehört auch, aus San Francisco wegzuziehen, heimzukehren nach Santiago. Hier war auch Severo mittlerweile wieder aus dem Krieg zurück - mit einem Bein weniger, aber dafür hatte seine Jugendliebe Nívea ihm die kurzzeitige Verwirrung verziehen und ihn geheiratet. Nívea, ihre fortschrittlichen Gedanken, dazu Paulina, die den Konventionen ebenfalls nicht entsprach - Aurora erlebte eine Kindheit, wie sie zu jener Zeit kaum vorstellbar war.

Aber das bewahrt sie nicht davor, sich wie schon ihre Großmutter blindlings in einen Mann zu verlieben, der diese Liebe nicht wert ist...

Es ist eine Familiengeschichte in bewährter Allende-Manier; über mehrere Generationen hinweg spannt sich der Bogen, und einigen Lesern ist Eliza, Lynns Mutter, vielleicht noch aus "Fortunas Tochter" ein Begriff. Einzeln für sich betrachtet birgt jede der erzählten Geschichten Stoff genug für einen ganzen Roman; in der Fülle und Zusammenfassung merkt man aber: was diesem Roman hier fehlt, ist der ganz große Bogen, diese Klammer, die alles richtig zusammenhält und erst zum überwältigenden Ganzen vereint, wie man es zum Beispiel aus dem "Geisterhaus" kennt. Diesen Bogen versucht die Autorin dann noch mit der Erwähnung von zwei Töchtern Severos aufzubauen: eine ätherische Schönheit mit grünlichem Haar und dem Namen Rosa und dazu eine hellsichtige Clara dürften Allende-Kennern bekannt vorkommen. Die einzelnen Frauenfiguren bergen zwar wirklich Potential, wobei in der Figur einer Nívea trotz ihrer permanenten Schwangerschaften viel interessantere Geschichten zu stecken scheinen.

Alles in allem ist "Portrait in Sepia" aber ein gut zu lesender, kurzweiliger Roman, der zwar nicht an die Klasse seiner Vorgänger heranreicht, aber eine solide Familienchronik mit etwas historischem Hintergrund sauber verbindet.

Isabel Allende

Isabel Allende, 1942 in Lima / Peru geboren, hat seit ihrem achtzehnten Lebensjahr als Journalistin gearbeitet. Nach Pinochets Militärputsch ging sie ins Exil, wo sie ihren Weltbestseller "Das Geisterhaus" schrieb

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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