Monica Ali - Brick Lane

Originaltitel: Brick Lane
Roman. Droemer 2004
540 Seiten, ISBN: 3426629372

Nachdem ihre Schwester einfach mit einem Mann abgehauen ist, stehen Nazneens Chancen auf eine gute Heirat sehr gering. Aber dann kommt ihre große Chance - sie wird mit einem bereits etwas älteren Mann verheiratet, der in London lebt.. Das erwartete Glück bleibt aber aus, ihr Mann behält seine Arbeit nicht, und erst als sie das erste Mal in ihrem Leben Leidenschaft erfährt, fängt sie an sich zu emanzipieren… In der Zwischenzeit erfahren wir aus - sprachlich unsäglich anstrengenden - Briefen vom weitern Schicksal ihrer Schwester… Da die (hochgelobte) Autorin es jedoch nicht vermag, für ihre Protagonisten Empathie zu erwirken blieb das Buch für mich langweilig und enttäuschend. Aus Zadie Smiths "Zähne zeigen" sprühte viel viel mehr Leben…

Ich hatte an der Lektüre keine Freude; hier einige unmittelbare Lesenotizen:

Nazneen wird geboren, und weil sie anfangs nicht schreit und danach keine Ambitionen hat, an der Mutterbrust zu saugen (für 4 Tage! Wo sind wir denn…) heißt es "überlassen wir sie über ihrem Schicksal, wenn sie es überlebt, wird sie nur stärker" - bzw, um gleich zu zitieren:

Was nicht zu ändern war, musste erduldet werden. Und da nichts zu ändern war, musste alles erduldet werden. Dieses Prinzip regierte ihr gesamtes Leben. Es war ein Mantra, ein Zustand und eine Herausforderung.
Und im Alter von vierunddreißig Jahren, nachdem sie drei Kinder bekommen hatte und ihr eins wieder genommen worden war, als sie einen zu nichts zu gebrauchenden Ehemann hatte und ihr vom Schicksal ein junger, fordernder Liebhaber zugewiesen worden war, als sie zum ersten Mal nicht mehr abwarten konnte, was ihr das Schicksal bringen würde, sondern es selbst in die Hand nehmen musste, war sie über ihre eigene Handlungsweise ebenso bestürzt wie ein Neugeborenes, das sich mit geballten Fäusten auf die eigenen Augen geschlagen hatte.


Die Thematik des Romans ist durchaus interessant. Mir hat der hölzerne Sprachstil jedoch die restliche Freude am Buch verdorben; in der Mitte gibt es eine längere Passage, in der die in Pakistan zurückgebliebene Schwester Nazdeen Briefe schreibt. Und hier wird Sprache als Stilmittel, um zu zeigen, wie ungebildet diese junge Frau ist, ihr nicht mal zugestanden, die eigene Sprache ansatzweise korrekt wiedergeben zu können.

Dass darüber hinaus keine Figur meine Empathie herausforderte hat sicher ebenfalls zu meiner negativen Beurteilung des Buches beigetragen.

Monica Ali

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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