Tschingis Aitmatow - Dshamilja

Originaltitel: --
Roman. Volk & Welt 1983
95 Seiten, ISBN: 329320001X

Es ist bereits das dritte Kriegsjahr. Fast alle Männer sind an der Front, die Jungen und die Frauen müssen ihre Plätze einnehmen.

Es ist auch noch nicht sehr lange her, dass die Sippe ihr Nomadenleben zugunsten eines sesshaften Lebens aufgegeben hatte. Und etwas von dieser Ungebundenheit, vom Freiheitsdrang und der Liebe zu diesem Land, das man durchstreifen kann, ist immer noch vorhanden.

Dshamilja ist die Schwägerin des Erzählers; ihr Mann ist zwar wenige Monate nach der Hochzeit in den Krieg gezogen, doch ihr Ansehen als Schwiegertochter ist ausgesprochen hoch. Und gegen die Avancen der verbliebenen Männer wird sie vom Erzähler in kindlich-naiver Weise verteidigt.

So freut er sich auch schon sehr darauf, mit ihr und Danijar, einem erst kürzlich in die Dorfgemeinschaft gestossenen, schweigsamen und etwas sonderbaren Mann, das Korn zum Bahnhof zu fahren, tagein, tagaus.

Die Hänseleien, denen Danijar von Dshamiljas Seite erst ausgesetzt ist, finden spätestens nach dem Abend ein Ende, als er auf ihre Bitten hin beginnt, beim Rückweg zu singen. Ein Gesang, so voller Leidenschaft, voller Gefühl und Liebe für dieses Land und das Leben - nie gehörte Klänge bringt er hervor.

Im Erzähler wecken diese Abende eine unbestimmte Sehnsucht, diese Liebe, die auch er verspürt, zu Papier zu bringen, zu zeichnen - aber zwischen Dshamilja und Dunijar beginnt eine Liebe, die unfassbar - und verboten ist...

Die schönste Liebesgeschichte der Welt, so wird diese Erzählung bezeichnet. Und das nicht zu Unrecht!

Beschrieben wird eine mir völlig fremde Welt - Steppenlandschaft, irgendwo in Kirgisien / Kasachstan, ein Volk, dass bis vor kurzem noch frei durch die Steppe gezogen war, und viele alte Bräuche noch aufrecht erhält. Und das alles bereits in Sowjetrussland, mit Planwirtschaft - dazu der Krieg.

Aber all das wird nicht als Kulisse verwendet; es ist ganz selbstverständlich einfach da. Hier will niemand die Umgebung schildern, um den passenden Hintergrund für diese einzigartige, sanft-wehmütige Liebesgeschichte zu schaffen.

Die Schlüsselszene, die, die diese Erzählung für mich so einzigartig macht, ist der Teil, als Dunijar zu singen anhebt - alles, was ihm hier entströmt, spürt auch der Leser hautnah.

Eine wirklich wunderschöne Geschichte!

Tschingis Aitmatow

Tschingis Aitmatow, geb. am 12.12.1928, arbeitete auf dem Experimentiergut d. kirgisischen Forschungsinstitutes f. Viehzucht. Ab 1952 veröffentlichte er immer wieder Erzählungen in der Presse. 1957 wurde er in den sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen. Er übersetzte Werke kirgisischer Schriftsteller ins russische. Am 10.06.2008 erlag er den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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