Douglas Adams - Die letzten ihrer Art

Originaltitel: Last Chance to See
Sachbuch. Heyne Verlag 1991
270 Seiten, ISBN: 3453061152

Ein Science-Fiction-Autor, der sich auf die Reise begibt, um für die BBC eine Reportage über aussterbende Tierarten zu machen - kann daraus etwas interessantes werden? Welchen Reiz soll das haben?

Nun, es ist sogar etwas sehr interessantes draus geworden - eine aufrüttelnde Schilderung über Tierarten, von denen wirklich nur noch wenige Exemplare am Leben sind. Mit Humor schildert er, welche Tricks die Tierschützer anwenden, um ihre Pfleglinge zu unterstützen, welche Marotten sie pflegen. Und mit wie vielen Hindernissen man auf so einer Reise zu rechnen hat!

Ob es sich nun um die Drachenechse von Komodo handelt oder den Kakapo, eine große dicke - und flugunfähige Papageiart, Douglas Adams bringt sie dem Leser näher. Eben weil er nicht alles verklärt, jedes Tier verniedlicht, den Tierschutz über alles stellt - sondern gerade weil er auch hier einen durchaus kritischen und realistischen Blick beweist.

Wer sich auch nur im Mindesten für seltene Tierarten interessiert, sollte dieses Buch lesen. Wer sich eigentlich normalerweise kaum für Tiere interessiert, sollte dieses Buch erst recht lesen - dem geht es dann nämlich so wie mir.

Der unsentimentale Zugang zu bedrohten Tierarten erschließt Blickwinkel, über die nachzudenken sich auf alle Fälle lohnt.

Zudem ist Douglas Adams als Autor ein Garant dafür, dass es genug heitere Stellen gibt, und die Alltagskomik wunderbar in Worte gefasst wurde.

Selber lesen, ihr werdet es nicht bereuen!

S. 181:

Der Alltag schafft Voraussetzungen, von denen man unbewusst ausgeht, und deshalb ist es so verwirrend, wenn man in Australien das erstemal den Stöpsel aus seinem Waschbecken herauszieht und das Wasser andersherum als gewohnt in den Abfluss kreiseln sieht. Die Gesetze der Physik führen einem vor Augen, wie weit man von zu Hause entfernt ist.
In Neuseeland sind sogar die Wählscheiben der Telefone entgegen dem Uhrzeigersinn nummeriert. Das hat mit den Gesetzen der Physik nichts zu tun - man macht es dort einfach anders. Schockierend ist daran nur, dass es einem bislang nie in den Sinn gekommen ist, dass man es überhaupt anders machen könnte. Tatsächlich hat man darüber nicht mal nachgedacht, und plötzlich ist es einfach da - anders. Man verliert den Boden unter den Füßen.
In Neuseeland zu wählen erfordert ein gehöriges Maß an Konzentration, denn alle Ziffern befinden sich dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Wenn man es zügig versucht, wird man sich unweigerlich verwählen, weil unwillkürlich die Gewohnheit einsetzt und alles zunichte macht, bevor man sie unter Kontrolle bekommt. Die Telefoniergewohnheiten sitzen so tief, dass sie zu Voraussetzungen geworden sind, von denen man unbewusst ausgeht.


Douglas Adams

Douglas Adams war einer der erfolgreichsten englischen Autoren. Vor allem seine absurd-komischen Science-Fiction- Romane ("Per Anhalter durch die Galaxis" haben ihm Weltruhm eingebracht. Er starb am 11. Mai 2001 49-jährig überraschend an einem Herzinfarkt

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Das könnte Sie interessieren:

Javier Marias - Die sterblich Verliebten

Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©15.05.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing