Wilhelm Genazino - Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

Originaltitel: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2004
160 Seiten, ISBN: 3423133112

Ein erwachsener Mann, nun Schriftsteller, erzählt von der Zeit, als er mit siebzehn ohne Abschluss von der Schule abging; inwieweit das autobiographisch geprägt ist, sei dahingestellt. Doch weiter zum Inhalt.

Die Mutter dieses Jungen versucht nun immer verzweifelter, ihm eine Lehrstelle zu verschaffen; diese Prozedur lässt er ziemlich passiv über sich ergehen, findet keine Worte bei den Bewerbungsgesprächen, seine Zeugnisse sprechen auch nicht für ihn, und so ist es fast ein Wunder, als sich dann doch noch ein Posten für ihn findet.

Aber eigentlich hat der junge Mann ja ganz andere Ambitionen: schreiben will er, und zwar hauptberuflich, schickt auch regelmäßig Beiträge an diverse Zeitungen und wird sogar gedruckt.

So beginnt denn auch bald nach Lehrantritt ein Doppelleben für ihn, als er als freier Redakteur bei einer Tageszeitung (und kurz danach noch bei einer weiteren) anfängt. Tagsüber als Lehrling unterwegs, abends als "unsere Damen und Herren von der Presse", merkt er, wie sich auch seine Einstellung zu verändern beginnt.

Vor allem auch zu den Frauen; seit langem schon war er eigentlich mit Gudrun liiert, hatte wöchentlich mit ihr auf ein gemeinsames Sparbuch eingezahlt, sich sexuell jedoch noch zurückgehalten; und als die Gelegenheit endlich günstig erscheint, sich dann doch lieber auf das Radiofeature über einen Schriftsteller konzentriert.

Viel stärker zieht ihn Linda an, die er bei seinen Presseterminen kennenlernt; Linda, die ebenfalls als Redakteurin unterwegs ist, das aber nur nebenher macht, denn eigentlich, ja, eigentlich schreibt sie an ihrem großen Roman, sie und auch ihre Freunde, mit denen sie ihn dann bekanntmacht.

Wie dieser junge Mann sich mitreißen lässt, um dann, als ihm eine einmalig erscheinende Chance geboten wird, sich doch für einen anderen Weg entscheidet, empfand ich als unheimlich bereichernd zu lesen.

Sinngemäß heißt es am Ende "Manchmal bedarf es des Mutes, sich einfach treiben zu lassen"

Wilhelm Genazino

Wilhelm Genazino, 1943 in Mannheim geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in Heidelberg. 1998 erhielt er den großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 2004 wurde er mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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