Yoko Ogawa - Hotel Iris

Originaltitel: Hoteru Airisisu
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2004
224 Seiten, ISBN: 3423133104

Ein siebzehnjähriges Mädchen lebt mit ihrer dominanten Mutter im titelgebenden Hotel Iris. Sie ist fast immer hinter der Rezeption zu finden, nachdem sie morgens von ihrer Mutter in einem strengen, schmerzhaften Ritual die Haare zum Knoten gebunden bekommen hat. Sie geht nicht aus, hat keine Freunde, kein eigenes Leben.

Eines Abends gibt es einen Aufruhr im Hotel; eine Prostituierte verlässt kreischend das Zimmer eines Mannes, echauffiert sich über seine Wünsche, verlässt dann fluchtartig das Hotel - allerdings erst nach dem Mann, der, ganz Autorität, sie zum Schweigen bringt und den Schaden bezahlt.

Seine beherrschende Stimme, seine Sicherheit faszinieren Mari, das Mädchen. Und als sie ihn kurz danach zufällig beim Einkaufen entdeckt, folgt sie ihm - solange, bis er sie schließlich anspricht.

Doch das ist nicht mehr der Mann, der mit donnernder Stimme sprach; sanft, unsicher nähert er sich ihr, und umwirbt sie, die so viel jüngere, danach ganz klassisch mit Briefen, die er ihr ins Hotel schickt.

Mari beginnt, sich heimlich mit ihm zu treffen; erst zu Spaziergängen, dann lädt er sie zum Essen ein, dem allerdings eine hochpeinliche Begegnung vorausgeht, bei der seine unbändige Wut ihn wieder zu dem Mann macht, dem sie sich unterwerfen will.

Was sie wenig später, bei ihm zu Hause, auch macht; er erniedrigt sie, fesselt sie, quält sie; und sie kommt immer und immer wieder.

Bis eines Tages sein stummer Neffe zu Besuch kommt, der das fragile Gleichgewicht aus Zärtlichkeit und Unterwerfung stört...

Was ich von diesem Buch halten soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so richtig. Auf der einen Seite hat mich diese Art der Unterwerfung abgestoßen, und die Anziehungskraft, die von diesem alten Mann auf das Mädchen ausgeübt wurde, hat sich mir nicht erschlossen; was mich dann aber doch immer wieder interessiert hat, war ihre Lust an dieser Unterwerfung, ihr Ausbruch aus dem ansonsten so starren Leben, der sich gerade durch die ihr zugefügte Demütigung vollzog.

Kein "schönes" Buch, aber durchaus interessant.

Yoko Ogawa

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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