Ake Edwardson - Segel aus Stein

Originaltitel: Segel av Sten
Krimi. List Verlag 2004
510 Seiten, ISBN: 354860515X

Erik Winter, Kommissar bei der Mordpolizei in Göteborg, erhält Besuch von einer alten Freundin: vor vielen, vielen Jahren gab es einen Sommer, den er mit Johanna Osvald verbracht hatte. Nun stand sie plötzlich wieder vor ihm, mit der Bitte um Hilfe: ihr Vater hatte sich schon seit mehreren Tagen nicht mehr gemeldet. Vor einigen Wochen war ein Brief angekommen, ein Brief aus England, der die Familie plötzlich wieder mit der Hoffnung beseelte, der seit 60 Jahren vermisste Großvater könne vielleicht doch noch am Leben sein.

Angela, Winters Lebensgefährtin, war zwar über das plötzliche Auftauchen dieser Frau nicht besonders glücklich, und noch weniger für das Interesse, dass Winter an dem Fall hatte; doch noch war ja nichts geschehen. Außer, dass Winter so ein seltsames Gefühl hatte...

Währenddessen schlugen sich seine Kollegen mit einem seltsamen Fall von Gewalt innerhalb der Familie herum: schon mehrfach war von den Nachbarn eine Anzeige wegen Gewalt eingegangen, doch die betroffene Frau selbst, Anette Lindsten, hatte sich geweigert, den Peiniger anzuzeigen, ja, sie hatte nicht einmal mit der Polizei sprechen wollen.

Doch Aneta Djanali hatte da so ein Gefühl, kehrte immer wieder, und die seltsamen Anzeichen häuften sich; die Wohnung wurde unter ihren Augen ausgeräumt, die Frau war nach wie vor nicht zu sprechen, der Vater wich aus, der gewalttätige Ehemann war auch kaum fassbar...

Und so erhält der Leser über 500 Seiten immer mal wieder ein kleines Häppchen Krimikost, dazwischen viel Privatleben der Ermittler, und insgesamt gesehen habe ich mich durch die 500 Seiten eigentlich eher gelangweilt, als mich durch Spannung unterhalten gefühlt.

Diese beiden Kriminalfälle, die getrost in völlig getrennten Büchern hätten stehen können, sind jeder für sich genommen so unglaublich dünn und uninteressant, dass es für mich kaum nachvollziehbar ist, weshalb dieser Autor so enthusiastisch besprochen wurde.

Tom, ich hätte gleich auf dich hören sollen - für mich jedenfalls war dies das zweite Buch, der erste Krimi von Edwardson, und mit ziemlicher Sicherheit auch das letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe. Kein Autor, der mich überzeugt, zu distanziert in seiner Erzählweise, zu gewollt geheimnisvoll. Hier wird kunstvoll Information vorenthalten, was ich in diesem Fall als sehr schwaches Kunstmittel zum Spannungsaufbau empfunden habe, das auch nicht funktioniert hat.

Ake Edwardson

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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