Henning Mankell - Tiefe

Originaltitel: Djup
Krimi. Zsolnay Verlag 2004
364 Seiten, ISBN: 3552053433

Lars Tobiasson-Svartman ist Seevermesser, seit vielen Jahren mit einer Tochter aus wohlhabendem Hause verheiratet, Kristina Tacker. Im Sommer 1914 erhält er von der Marine einen geheimen Auftrag: er soll die Seewege durch die Schären neu vermessen, ausfindig machen, welche anderen Möglichkeiten als der bereits Bekannten es gibt, auf dem Seeweg nach Stockholm zu gelangen - man erwartet schließlich Krieg, und es ist nicht klar, ob und wie Schweden hineingezogen werden könnte.

Für Lars sind Entfernungen wichtig; er muss alles vermessen, versucht, daduch seine Position in der Welt zu bestimmen. Im Zuge der Vermessungsarbeiten entdeckt er auf einer der Außenschären, die als unbewohnt gilt, eine Frau, die da alleine lebt - wild und gefährlich, und sie zieht in an. Als er einen Sturm heraufziehen sieht, rudert er los, weg von seinem Auftrag, und verbringt die Nacht auf der Schäre, in Sicherheit.

Er verspricht Sara, wiederzukommen, sie zu holen, erzählt ihr, er hätte Frau und Tochter bei einem Unfall verloren, so wie auch sie ihren Mann verlor.

Als er wiederkommt, im Winter danach, musste er dafür ein Lügengebilde für die Marine errichten. Aber er findet sie nicht alleine - ein deutscher Desserteur ist bei ihr.

Eine unbändige Wut packt Lars; er sorgt dafür, dass der deutsche Soldat verschwindet. Und wieder kehrt er zurück nach Stockholm, wo seine Frau ihm eröffnet, ein Kind zu erwarten - und er sich wieder auf den Weg macht, angeblich in geheimer Mission, und das, obwohl er mittlerweile unbezahlten Urlaub beantragt hat.

Auch Sara ist schwanger; es zieht ihn hin und her, wieder in Stockholm wird er von der Marine gefeuert, bringt seinen Schwiegervater fast um, sein Kind, eine Tochter, kommt zu früh - und schon drei Tage nach der Geburt ist er wieder unterwegs auf die Schäre, zu Sara...

Das alles ist erzählt in einem Tonfall mystischer Geheimniskrämerei; Lars umklammert sein Lot, als wolle er damit tatsächlich die eigene Tiefe ausloten, doch zumindest im Roman ist davon wenig zu spüren.

Für mich wurde dieser Lars (der im Buch, wie die anderen Protagonisten, immer beim vollen Namen genannt wurde, was ich als ziemlich nervig empfand) einfach nicht lebendig, seine Beweggründe erschienen mir wenig plausibel, und auch die große schwarze Tiefe in seinem Inneren, die ihn zum Bösen antrieb, konnte mich überhaupt nicht überzeugen.

Um es kurz zu sagen: ich habe mich bei diesem Roman ziemlich gelangweilt. Ich habe bislang außer diesem noch einen anderes Buch gelesen, das kein Wallander-Krimi war, und mochte auch diesen nicht besonders - für mich bleiben seine Figuren darin seltsam blutleer, auch wenn sie, wie in diesem Fall, thematisch recht nahe am Krimi sind, gibt es doch auch hier Tote und Morde.

Vielleicht ist aber auch einfach, so wie bei Donna Leon, meine Zeit mit Mankell einfach abgelaufen.

Henning Mankell

Henning Mankell, 1948 in Häjedalen geboren, ist einer der angesehensten Schriftsteller Schwedens. Er lebt als Regisseur und Autor in Maputo / Mosambik.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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