Originaltitel: Brother & Sister
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2004
367 Seiten, ISBN: 0552771732

Wenn die Rede darauf kam, dass Nathalie als Kind adoptiert wurde, hatte sie immer wieder betont, damit überhaupt kein Problem zu haben, im Gegenteil: sie wurde, im Gegensatz zu so manchem leiblichen Kind, innigst gewünscht, ausgewählt und geliebt. Gleiches galt auch für ihren Bruder David.
Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die den Prozess dann doch in eine andere Richtung lenkt; eine harmlose Erkrankung von Nathalies Tochter, die auch erblich hätte bedingt sein können.
Und so unterwirft sie nun nicht nur sich, sondern ihre gesamte Umgebung in den Prozess der Suche nach der leiblichen Mutter; auch ihren Bruder drängt sie dazu, diese Erfahrung mit ihr zu teilen.
Dass die Adoptiveltern dadurch sehr betroffen sind, braucht nicht extra erwähnt zu werden, auch wenn sie natürlich versuchen, den Prozess soweit es ihnen möglich ist, zu unterstützen. Doch wie stark auch die Partner von Nathalie und David dadurch beeinflusst werden, wie diese Aktion sich selbst auf das Liebesleben derer Angestellter auswirkt, all das nimmt mindestens soviel Raum ein wie die Hauptthematik.
Und hier liegt für mich auch der Kritikpunkt an diesem Roman: da der Focus auf so vielen Personen liegt, wird keine davon wirklich beleuchtet. Die Konzentration auf einige wenige der angesprochenen Beziehungen hätte das Buch für mich wesentlich verbessert. Denn sobald die Autorin sich länger Zeit nimmt, eine Figur zu beleuchten, kommt auch wieder hervor, was ich an ihr so schätze: ihre Fähigkeit, genau hinzusehen und wie ein Seismograph auch den kleinsten Erschütterungen nachzuspüren, die kaum Spuren an der Oberfläche hinterlassen.
Joanna Trollope ging nach dem Studium in den Auswärtigen Dienst und wechselte später ins Lehrfach. Heute lebt sie als Schriftstellerin in Goucestershire.
©23.08.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing