Colum McCann - Der Himmel unter der Stadt

Originaltitel: This Side of Brightness
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2004
249 Seiten, ISBN: 075380476X

Das New Yorker Subway-System ist ein gigantisches Tunnellabyrinth mit verlassenen Gewölben, stillgelegten Gleisen, vergessenen Waggons - letzte Zuflucht für Tausende von Obdachlosen. Hier lebt auch der ehemalige Stahlbauer Treefrog und hier trifft er eines Nachts auf Angela, die ihn an seine Frau erinnert. Ihr erzählt er seine Geschichte. McCann führt uns in eine unbekannte, häufig brutale Welt, erzählt von Iren, Italienern, Farbigen, Indianern, die zu Beginn des Jahrhunderts durch ihre Arbeit den Bau Manhattans vorantrieben und nie vom wachsenden Wohlstand der Stadt profitierten.


Schon mal mit der Ubahn von Manhattan nach Brooklyn gefahren, unter dem Hudson durch? In diesem Roman liest man, unter welchen Bedingungen der Tunnel damals gebaut wurde, und davon ausgehend über drei Generationen hinweg das Wachstum und die Veränderung einer Stadt.

Auch wenn es mir zum Schluss besser gefiel als am Anfang, fällt mein Urteil insgesamt doch eher zurückhaltend aus. Ich habe mir einige Gedanken gemacht, warum mir das Buch insgesamt einfach nicht so gut gefiel:

a) die Erzählzeit
Der Großteil des Romans ist im Präsens geschrieben. Das gibt dem Text eine Unmittelbarkeit, die mich nicht wie wahrscheinlich beabsichtigt in das Geschehen hineingezogen hat, sondern mich im Gegenteil ziemlich stark außen vor gelassen hat

b) die Zeitspanne
auf knapp 300 Seiten fast ein ganzes Jahrhundert, drei Generationen - dass dabei zwangsläufig nicht genug Platz für eine tiefere Ausleuchtung bleibt, ist leider für mich hier bestätigt worden. Erst gegen Ende wird Treefrog / Clarance Nathan Walker für mich mehr als ein Schattenriss.

Zwar hat mich wirklich interessiert, wie McCann das Leben der Obdachlosen schildert, gerade die Szenen mit zb den Fahrten in der Ubahn, wenn er anhand der Reaktionen der Mitreisenden erkennt, dass er wirklich ziemlich stinken muss, hat mich immer wieder an Situationen erinnert, die wohl jeder, der ÖPNV benutzt, kennt. Auch sein Nest, seine Möbel, die er da im Tunnel hat - auch solche Behausungen findet man hier.

Colum McCann

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Eruopa und Amerika. Für seine Romane und Erzählungen erhielt McCann zahlreiche Literaturpreise, unter adnerem den Hennessy Award for Irish Literature und den Rooney Prize. Er ist verheiratet und lebt in New York.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©26.03.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing