Ian Rankin - Die Sünden der Väter

Originaltitel: (09) The Hanging Garden
Krimi. (englischsprachiger Verlag) 1998
349 Seiten, ISBN: 0312969139

Für mich neu, arbeitet Rankin hier diesmal mit ganz starken Rückblenden. Gleich zu Beginn müssen wir miterleben, wie Rebus Tochter von einem Auto angefahren und schwer verletzt wird; und bei den Nachforschungen, welcher Autofahrer sie da angefahren und dann einfach so liegen gelassen hat, wird Rebus immer klarer, dass das eine Warnung an ihn darstellen soll, denn er hatte sich erst kürzlich wieder in die Geschäfte des herrschenden Gangsters eingemischt.
Daneben wird noch ein Fall behandelt, in der ein Mann eines schrecklichen Verbrechens während der Nazizeit bezichtigt wird, und den Rebus nun vor Gericht bringen soll…

London mischt sich ein, schickt einen Spezial Branch-Mitarbeiter, der Rebus wohlbekannt ist, und der den mutmaßlichen Nazi auf seine Weise einschüchtert - spricht nicht über die Ratline, auf der angeblich viele führende Nazi-Köpfe ins sichere Ausland geschleust und dort in hochrangige Positionen gehievt wurden...

In der Zwischenzeit geht der Bandenkrieg weiter; Thommy Telford hat, während der bisherige lokale Bandenführer Big Ger Gafferty hinter Schloss und Riegel sitzt, Edinburgh geknackt. Und obwohl Rebus Gafferty dahin gebracht hat, gilt er doch als dessen Mann - und somit Ziel für Telfords Angriffe.

Aber mit diesen beiden Banden nicht genug, hat Telford auch noch Verbindungen zu Newcastle und damit Jack Tarawicz, dessen Verbindungen zu Osteuropa auch den Import von Prostituierten garantieren. Und einer dieser zur Prostitution gezwungenen Frauen hatte Rebus geholfen, hatte sie für eine Weile sogar bei seiner Tochter versteckt gehalten - ein weiterer Grund für seine Annahme, dass der Unfall ein Vergeltungsangriff auf ihn sein sollte.

Es dauert eine Weile, bis Rebus auf bewährt unorthodoxen, nicht immer ganz legalen Wegen für sich zusammenreimt, was eigentlich wirklich hinter diesen Bandenkriegen steckt; und wie Rankin diese vielen Handlungsstränge, Prostitution, Drogenhandel, Nazivergangenheit, Geheimdienst, Banden aus dem In- und Ausland (sogar die Japaner sind involviert) nicht nur zu einer Lösung bringt, sondern sie auch auf glaubhafte, spannende Weise miteinander verknüpft, das hätte ich nach der Hälfte des Buches nicht für möglich gehalten.

Da hatte ich nämlich einen kleinen Hänger, wollte eigentlich nicht schon wieder über den 2. Weltkrieg lesen, und dachte auch, dass diese Frauenschmuggel/Prostitutionsgeschichte auch nicht ganz neu wäre, aber Rankin hat mich mal wieder überzeugt, dass er daraus einfach mehr machen kann als andere Autoren. Sein Rebus hat eine Vergangenheit in der Army, und immer wieder lässt er einfließen, wie rasch der Mensch zum Wegschauen, zum Teilhaben an Grausamkeiten neigt, wie groß der Wunsch nach Rache, der auch Rebus erst antreibt, unbedingt den Fahrer des Wagens zu finden, der seine Tochter traf...

Während des gesamten Buches ist Rebus außerdem trocken; ein Versprechen an seinen Freund Jack Morton (wenn ich mich nur erinnern könnte, in welchem Zusammenhang ich in den früheren Büchern von ihm gelesen habe... im 8. Fall, den ich bislang noch nicht gelesen habe, ist er jedenfalls stark präsent) - und hört dafür umso mehr Musik, die Titel passend zur Ermittlungslage. Dieses Zitieren von Songtiteln ist mir in diesem Band besonders stark aufgefallen.

Normalerweise stößt es mich ja ziemlich ab, wenn ich in einem Krimi damit konfrontiert werde, dass der gesuchte Serienmörder oder was auch immer dann selbstverständlich die ermittelnde Person ins Visier nimmt; Rebus Verwicklung mit den Gangstern in diesem Roman ist da aber von ganz anderem Kaliber. Er legt sich offen mit diesen Banden an, benutzt ihre Kontakte ja auch für seine Zwecke.

Düster, bitter, der Humor gallig, der Plot spannend - von meiner Seite auf jeden Fall eine Empfehlung!

Ian Rankin

Ian Rankin, 1960 in Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Frau nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschein 1986 und wurde von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch beim Lesepublikum gelang ihm schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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