Cormac McCarthy - All die schönen Pferde

Originaltitel: All The Pretty Horses
Roman. (englischsprachiger Verlag) 2004
302 Seiten, ISBN: 3499227894

Texas 1949: John Gradys Mutter verkauft die Farm, die er eines Tages zu bewirtschaften hoffte; um seinen Traum vom Pferden und weitem Land doch noch zu leben bricht er mit seinem Freund Lacey Rawlins nach Mexiko auf. Unterwegs schließt sich ihnen ein Junge an; eigentlich gegen den Willen der Beiden, denn von dem Jüngeren geht eine Gefahr aus, er ist viel mehr Outlaw als sie es sind.

Grady und Rawlins finden Arbeit bei Don Hector, einem der einflussreichsten und wohlhabendsten Pferdezüchter Mexikos. Durch ihre Liebe zu den Pferden, ihr Auftreten, gewinnen sie rasch das Vertrauen des Patriarchen. Sie scheinen ihr Glück gefunden zu haben; vor allem Grady, der sich dann auch noch in die schöne Tochter Don Hectors, Alejandra, verliebt. Es ist eine rauschhafte, große Liebe - und eine gefährliche Liebe, denn ob diese Verbindung gut geheißen wird, kann man nicht erwarten.

Und dann, plötzlich, bricht die Wirklichkeit in diesen Traum ein. Beide Jungen werden ins Gefängnis gebracht, es wird ihnen lange nicht gesagt, weshalb sie hier eigentlich eingesperrt sind, es wird nur rasch klar, dass es da einen Zusammenhang zu dem Jungen gibt, der einen Teil des Weges mit ihnen geritten war. Anarchie und Gewalt halten in ihrem Leben auf eine Weise Einzug, mit der sie nie gerechnet hätten…

Mein erster Leseversuch mit McCarthy war "Die Abendröte im Westen" - mit dem Buch konnte ich nicht besonders viel anfangen, weil mir zu viel sinnlose Gewalt drin vorkam. "All die schönen Pferde" hatte ich zuvor bereits als Film gesehen, der mir sehr gut gefallen hatte; und, nachdem ich mich bei einem Anleseversuch in der Buchhandlung davon überzeugt hatte, dass ich die deutsche Übersetzung nie und nimmer mit Genuss lesen könnte, habe ich den Kauf der englischen Ausgabe nicht bereut. Warum keine deutsche Übersetzung? Die Dialoge. McCarthy hat eine sehr karge, knappe Sprache, und gerade in diesem Buch hier sind die Dialoge auch noch von Slang geprägt. Und der wurde mehr oder weniger bayrisch übersetzt, das konnte ich einfach nicht lesen.

"All die schönen Pferde" war ein Roman, der mir wirklich ausgesprochen gut gefallen hat, der mich vor allem durch die grandiose Sprache McCarthys in seinen Bann gezogen hat. Er schafft es, mit einer ganz minimalistisch wirkenden Sprache Landschaften entstehen zu lassen, die ebenso karg und dennoch reizvoll sind; bei ihm sieht man dann auch die Details, die in der Leere sonst verloren gehen würden. Und dann natürlich seine Dialoge - knappe Wortwechsel nur, keine langen Seelenoffenbarungen, aber dafür auf den Punkt treffend.

Von meiner Seite eine klare Empfehlung!

Cormac McCarthy

McCarthy wuchs in Tennessee auf, lebte lange Zeit in Texas und nun mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in New Mexico. Für seine Bücher wurde er unter anderem mit dem Faulkner Award, dem American Academy Award, dem National Book Award, dem National Book Crities Circle Award und 2007 für seinen Roman „The Road“ (dt. „Die Straße“) mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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