Arnold Stadler - Der Tod und ich, wir zwei

Originaltitel: Der Tod und ich, wir zwei
Roman. Residenz Verlag 2004
224 Seiten, ISBN: 3701714010

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte passt nicht so recht in die Welt, in der er aufgewachsen ist. In einem Haushalt, der von körperlicher Stärke - die fürs Viehtreiben, Schlachten und fuhrwerken nötig ist - dominiert ist, fällt er mit seinen gerade mal 1,59 m aus dem Rahmen.

Dann soll er halt studieren - aber auch das klappt nicht so recht, und erst, als er von Onkel Henry immer wieder gesagt bekommt "für dich ist gesorgt", scheint seine Zukunft gesichert zu sein. Denn Onkel Henry, der eigentlich gar kein Onkel ist, hat noch diesen Glanz um sich, der von Reichtum, guter Gesellschaft und Geist kündet...

Es sind zum Teil wirklich sehr ansprechende Beschreibungen; in den Schlachthof und die Wirtshausatmosphäre konnte ich mich ganz gut einfühlen, und als der Protagonist dann auch noch nach Schwanenstadt reist, war auch der persönliche Bezug da, und doch ...

und doch hat Arnold Stadler mich unsäglich genervt. Seine eigentlich erzählte Geschichte mit diesem kleinen Erbschleicher, die darin vorkommenden Figuren, waren mir dermaßen unsympathisch bzw. uninteressant, dass ich immer nur darauf gewartet habe, wann mal wieder ein bisschen Beschreibung kommt. Das wiederholte sich dann aber auch rasch, und nach etwa der Hälfte des Buches habe ich es gelangweilt zur Seite gelegt.

Auch ich kann die Stadler-Begeisterung, die vor einigen Jahren so massiv war (und ja immer noch anhält, gerade in den letzten Tagen habe ich im Feuilleton wieder viele lobende Worte über sein neuestes Buch gelesen), definitiv nicht nachvollziehen.

Arnold Stadler

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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