Ann-Marie MacDonald - Wohin die Krähen fliegen

Originaltitel: The Way the Crow Flies
Roman. Piper Verlag 2004
1068 Seiten, ISBN: 3492046061

Die Familie McCarthy ist gerade vom Stützpunkt in Deutschland zurück nach Kanada gezogen; der Vater ist bei der Royal AirForce, die Familie daran gewöhnt, alle paar Jahre von Ort zu Ort zu ziehen. Anfangs begleiten wir die Familie auf ihrer Autofahrt über Land, erleben vieles aus der Perspektive der 8jährigen Madeleine - was ja oft problematisch ist, wenn ein Geschehen im Nachhinein aus kindlicher Perspektive erzählt wird, weil es nicht durchgängig ist, der Wortschatz nicht dazu passt, Einsichten nicht so da sein konnten etc.

Aber das ist hier sehr geschickt gelöst; als Leser wird man quasi immer wieder wie mit einem Radiosender an die einzelnen Protagonisten herangeführt und vernimmt dann ihren ganz speziellen Unterton im ansonsten traditionell gehaltenen Erzählton.

Neben der Familie werden uns nun so langsam auch die anderen Bewohner des Stützpunkts in Centralia vorgestellt, und durch das Vorwort ist man immer auch schon auf ein drohendes Unheil eingestellt.

Wir befinden uns in den 60er Jahren, mitten im kalten Krieg; Politik bestimmt auch die Themen bei den abendlichen Grillparties. Und Jacks alter Ausbilder Simon hat diesen beim letzten Zusammentreffen um einen Gefallen gebeten, der stark nach Geheimdienst klingt.

Neben der Kubakrise beschäftigt die Familie auch die zunehmende Verstörtheit Madeleines, die auf die Schreckensnachrichten aus dem Fernsehen geschoben werden - während die Ursache viel näher, im Schulumfeld, gefunden werden könnte…

Die Darstellung der 60er, die Probleme, Gedanken, Gespräche, sind auf unglaublich fesselnde Weise geschrieben; das Thema Kindesmissbrauch nahm für mich aber etwas zu viel Raum ein. Dennoch: ein sehr lesenswertes Buch!

Ann-Marie MacDonald

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©04.01.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing