Jens Johler - Das falsche Rot der Rose

Originaltitel: Das falsche Rot der Rose
Krimi. Europa Verlag 2004
370 Seiten, ISBN: 3203785765

Bei einem Gipfeltreffen der G10-Staaten dreht einer der Sicherheitskräfte durch und fängt an, die Staatsoberhäupter, die sich zum Gruppenbild aufgestellt hatten, niederzumähen - ein Schock für die westliche Welt, vor allem Europa, dessen Regierungen nun deutlich geschwächt sind.

Fieberhaft wird nun das Leben des Attentäters, John Allen, durchleuchtet, um an die Hintermänner der Verschwörung zu kommen, und bald schon entdeckt der CIA, dass Allen auf seiner Weltreise mit Scheich Aziz in Berührung gekommen war, dem Nachfolger von Bin Laden. So scheint es bald schreckliche Gewissheit: Allen war der erste westliche Selbstmord-Attentäter.

Doch die Sondertruppe zur Terrorbekämpfung der UNO hat andere, noch schrecklichere Assoziationen: Allen war selbst bei der CIA gewesen, bevor er auf diese Weltreise ging. War er ein Schläfer der CIA, und dieses Attentat von der USA nur inszeniert, um einerseits EUropa zu schwächen und andererseits einen Grund zu haben, Saudi-Arabien anzugreifen und sich den Zugriff auf die Ölquellen zu sichern?

Hamlet Mueller, der vor einigen Jahren den Dienst bei der CIA quittiert hatte, wurde ebenfalls zurückgerufen, um bei der Auflösung des Rätsels mitzuhelfen. Was ihn stutzig macht, sind die Berichte von Visionen, die sowohl Allen als auch einige andere Attentäter in der letzten Zeit von sich gegeben hatten, sie alle waren von Bildern der Attentate heimgesucht worden, zu einem Zeitpunkt, als diese noch nicht in den Medien waren, sondern gerade stattfanden.
Auch Hamlet wird von diesen Visionen geplagt...

Es gibt sicher so einige Kritikpunkte an diesem Buch; manche Entwicklungen sind nicht durchgängig überzeugend, die Charakterzeichnung ist etwas durchsichtig, und wenn die junge Frau von der UNO zu Fragen beginnt, sprudeln die eigentlich streng geheimen Mitteilungen nur so aus den Befragten heraus.

Aber die Idee ist gut, es ist spannend geschrieben, das Autorenduo agiert mit Voraussetzungen, die wir kennen, die uns noch sehr nahe sind. Man könnte es ein wenig mit Michael Crichton vergleichen, nur unter einem europäischeren Blickwinkel - also durchaus spannend und empfehlenswert, auch wenn ich persönlich finde, dass Crichton seine Theorien überzeugender darstellen kann.

Jens Johler

Jens Johler, 1944 in Neumünster geboren und in Hamburg aufgewachsen, machte zunächst eine Ausbildung zum Schauspieler an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule und war drei Jahre lang Schauspieler an den Städtischen Bühnen Dortmund. Danach studierte er Volkswirtschaftslehre an der FU Berlin und war anschließend als wissenschaftlicher Assistent tätig. Seit 1982 ist er freier Autor und lebt in Berlin.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©28.06.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing