William Brodrick - Die sechste Klage

Originaltitel: The Sixth Lamentation
Krimi. List Verlag 2004
460 Seiten, ISBN: 3471794875

Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt:
Einmal durch Pater Anselm, in dessen Kloster der Kriegsverbrecher Schwermann um Kirchenasyl angesucht hat, und auf der anderen Seite von Lucy, deren Großmutter Agnes von ebendiesem Schwermann ins KZ gebracht worden war.

Agnes war nach dem Tod ihrer Eltern durch die Vermittlung eines der besten Freunde ihres Vaters, eines Priesters, bei einer ehemaligen Konzertpianistin aufgenommen worden. Rund um diese beiden schart sich bald ein Kreis Menschen, die anfangs nur gemeinsam musizieren, und dann, als die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Deutschen siegen könnten, bilden einige von ihnen die Tafelrunde, die es sich zum Ziel gesetzt hat, jüdische Kinder aus dem Land zu schmuggeln. Besonders eng war die Verbindung zwischen Agnes, Jaques und Victor; als sich zwischen Agnes und Jaques eine Liebesbeziehung entspinnt, Agnes schwanger wird, bricht Victor mit ihnen - und verrät sie...

Da Agnes todkrank ist, schreibt sie endlich für ihre Enkelin diese Geschichte auf; in Frankreich ist Jacques Großneffe auf die Geschichte zweier Männer gestoßen, die als Priester verkleidet nach England fliehen wollten, dort erst aufgegriffen und dann wieder freigelassen wurden - Schwermann und... Victor...

Nun ist dieser Großneffe daran interessiert, Schwermann vor Gericht zu bringen und dazu Victor zu finden; die Enkelin will ihn finden, um die Geschichte ihrer Großmutter fertig zu hören, und Pater ANselm, um herauszufinden, inwieweit die Kirche darin verstrickt ist...

Das liest sich, wie schon erwähnt, bislang wirklich sehr spannend und gut, ist thematisch natürlich gerade im Moment hochaktuell und geht ganz schön unter die Haut (und ist trotzdem ein solider, richtig gut gemachter Krimi).

Vergleichen würde ich ihn jetzt allerdings von der ganzen Machart her weniger mit PD James, deren Klosterkrimi ich zwar auch sehr mochte, sondern eher mit Autoren wie Reginald Hill.

William Brodrick

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©27.01.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing