Peter Carey - Mein Leben als Fälschung

Originaltitel: My Life as a Fake
Roman. S. Fischer Verlag 2004
283 Seiten, ISBN: 3100102266

Als Micks den Mann nach Asien begleitet, den sie insgeheim für schuldig am Tod ihrer Mutter hält, ahnt sie noch nicht, wie sehr diese Reise ihr Leben für immer verändern wird.

Schon am ersten Abend von Slater, einem schon etwas älteren Herren, der mit ein paar mittelmäßigen Gedichten sehr bekannt geworden war, in Kuala Lumpur alleingelassen, sieht sie bei einem Spaziergang einen Mann - einen Ausländer, einen Weißen. Einen, der Rilke liest. Rilke! Hier, in der feuchten Hitze Asiens!

Doch es kommt noch besser. Denn diesen Mann kennt Slater, auch wenn er es erst nicht zugeben will. Doch dann erzählt er ihr doch zumindest einen ersten Teil der Geschichte dieses heruntergekommenen weißen Mannes, von Christopher Chubb...

Denn er war es, dieser Mann, der seinen früheren Freund literarisch bis auf die Knochen blamierte, indem er ihm Gedichte unterschob von einem einfachen Arbeiter, einem literarischen Niemand - die Weiß mit Begeisterung publizierte.

Es sollte nur ein Scherz sein, sollte Weiß nur mit der Nase darauf stoßen, dass er die literarische Qualität nicht zu erkennen vermöge sondern nur einem Zeitgeist hinterherlaufe... doch dann taucht dieser Bobby McCorkle plötzlich tatsächlich auf. Und reklamiert sein Leben für sich...

Es ist eine Geschichte mit einigen interessanten Wendungen, die sich auch durchgängig amüsant und spritzig liest - und die mich letztendes doch enttäuscht hat. Denn was bleibt nach der Lektüre? Das Gefühl, zwar ein handwerklich sehr gutes Buch gelesen zu haben, das mich aber inhaltlich nicht berührt hat.

Ja, die Frage ist spannend, wieviel an Literatur (resp. Kunst) wir nur schätzen, weil wir das drumherum "mitkaufen", weil wir uns beeinflussen lassen vom Urteil anderer, von der öffentlichen Meinung, vom Zeitgeist...

Ich bin gespannt, ob meine Lesegruppe daraus etwas machen kann.

Peter Carey

Peter Carey wurde 1943 in Bacchus Marsh, Victoria (Australien) geboren und lebt heute mit seiner Frau, der Theaterdirektorin Alison Summers und den beiden Söhnen in New York. Er wurde 1988 und 2001 mit dem wichtigsten Literaturpreis des Common Wealth, dem Booker Prize ausgezeichnet. "Oscar und Lucinda" wurde von Gillian Armstrong mit Ralph Fiennes und Julianne Moore in den Hauptrollen verfilmt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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