Patrick McGrath - Port Mungo

Originaltitel: Port Mungo
Roman. Berlin Verlag 2004
282 Seiten, ISBN: 382700537X

Wenn der Leser Jack Rathbone zum ersten Mal begegnet, ist er gerade wieder in New York gelandet, nachdem seine Tochter Peg unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Nun lässt er sich von seiner Schwester Gin, aus deren Perspektive der Roman auch geschrieben ist, ein Atelier finanzieren und arbeitet weiter an seinen Bildern, die so viel Wut enthalten.

Schon sehr jung war ihm klar, dass er Künstler werden würde; und als er dann, erst siebzehnjährig, die dreißigjährige Malerin Vera kennen lernt, brennt er bereits nach 7 Wochen mit ihr nach Amerika durch. Doch in New York hält es das Paar nicht lange; rasch erkennt der Junge, dass er hier, in einer Stadt voller Künstler, untergehen würde, solange er noch nicht zu seinem eigenen Stil gefunden hat. Und außerdem kann er nichts schaffen, wenn sie sich die Nächte in den Bars und Clubs um die Ohren schlagen und viel zu viel trinken.

Sie ziehen weiter. Erst nach Kuba, dann in eine winzige Hafenstadt in Honduras, Port Mungo. Hier leben sie jahrelang, hier kommen ihre zwei Töchter zur Welt, hier arbeiten sie, und hier spielt sich der Großteil ihres Ehedramas ab.

Denn so groß die Anziehungskraft zwischen den beiden auch war - Veras Alkoholkonsum und ihre Abenteuerlust hielten sie auch nach der Geburt ihrer Tochter nicht zu Hause. Immer wieder brach sie auf, um erst Monate später zurückzukommen.

Für Gin war Jack, der vergötterte Bruder, derjenige, der darunter litt, der große Künstler, der sich auch noch um die Kinder kümmern musste.

Dass sich dahinter noch eine ganz andere Wahrheit versteckt soll sie erst Jahre später lernen...

Hmmmmmmmm.... eigentlich wäre das ja ein gutes Thema, man könnte aus dieser Schilderung einer KÜnstlerehe bestimmt viel machen, aber in meinen Augen hat Patrick McGrath das nicht geschafft.

An sich ist die Konstruktion, die Geschichte aus der Sicht der Schwester zu erzählen, ja gut ausgedacht. Doch diese Schwester wird auf eine Art und Weise dargestellt, die mich ganz schnell gelangweilt hat - als eine Frau, die dem genialen Bruder vergöttert, eigentlich auch nur für ihn lebt, jeden Mann mit ihm misst... und das, obwohl auch aus ihrer Sicht Jack Rathbone eigentlich ziemlich mittelmäßig erscheint.

Es wird viel beschrieben in diesem Roman, aber nichts mit Leben gefüllt, und so wirken die ganzen Leidenschaften blutleer und unecht.

Schade.

Patrick McGrath

Patrick McGrath wurde 1950 in London als Sohn eines berühmten Gerichtspsychiaters geboren. Er besuchte ein von Jesuiten geleitetes Gymnasium und studierte anschließend Literaturwissenschaft. Nach Jahren in den USA, Kanada sowie auf einer entlegenen Insel im Pazifik lebt er seit 1981 in New York, wo er als freier Autor arbeitet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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