Marguerite Yourcenar - Der Fangschuss

Originaltitel: --
Roman. Süddeutsche Bibliothek 2004
95 Seiten, ISBN: 3937793119

Erich und Konrad waren Freunde, Brüder beinahe; der Krieg führt sie auf einem Gutshof wieder zusammen, auf dem sich auch Konrads Schwester Sophie befindet, die sich in Erich verliebt. Der sie allerdings immer wieder zurückweist und so ein Drama auslöst... Eine schmale, aber nachhaltige Erzählung!

Den FANGSCHUSS von Marguerite Yourcenar habe ich wirklich sehr genossen, diese Frau hat eine so wunderschöne klare Sprache, auch ich habe eine Menge Sätze angestrichen, zum Beispiel:

S. 14: "Freundschaft ist vor allem Gewissheit, was sie von Liebe unterscheidet"

S. 20: "Warum verlieben sich Frauen immer wieder in Männer, die das Schicksal ihnen nicht bestimmt hat, so dass diesen nur die Wahl bleibt, wider das eigene Wesen zu handeln oder sie zu hassen?"

S. 39: "Ihre Hände berührten mich immer noch mit kleinen verzagten Bewegungen, die eher wie das Tasten eines Blinden als wie Zärtlichkeiten auf mich wirkten, und jeden Morgen sah ich eine Frau vor mir, die verzweifelt war, weil der Mann, den sie liebte, nicht derjenige war, mit dem sie schlief."

S. 48: (über Volkmar): "Er ähnelte mir wie eine Karikatur ihrem Vorbild."

S. 78: "Dann folgt in meinen Erinnerungen eine Lücke, wenn ich von den schlechthin militärischen Dingen absehe. Ich glabue, es gibt in jedem Leben Zeiten, in denen ein Mensch wirklich existiert, und andere, da er nur ein Gemisch von Verantwortung, Ermattung und von Eitelkeit (wenn er obendrein töricht ist) darstellt."

Die homoerotische Komponente war, fand ich, schon von Anfang an stark zu spüren, in der Schilderung seines Freundes... das macht die Geschichte ja auch so besonders dramatisch und eindringlich, dass ihre Liebe aus diesem Grund so besonders hoffnungslos ist.

FÜr mich ist das eines jener Bücher, die eigentlich erst aus einer gewissen Distanz heraus ihre volle Wirkung entfalten; während des Lesens blieb zumindest mir manches noch unklar, so, als würde man ein impressionistisches Gemälde von zu großer Nähe ansehen und könnte erst, nachdem man ein paar Schritte zurückgetreten ist, die Zusammenhänge erkennen.

Marguerite Yourcenar

Marguerite Yourcenar, am 8. Juni 1903 in Brüssel geboren, studierte in Frankreich, England und in der Schweiz und wurde Professorin für französische Literatur in New York. 1980 wurde sie als erste Frau in die Académie francaise gewählt. Sie starb am 18. Dezember 1987 in Maine / USA.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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