Colin McAdam - Ein großes Ding

Originaltitel: Some Great Thing
Roman. Wagenbach Verlag 2004
375 Seiten, ISBN: 3803131901

Jerry McGuinty hat sich mit Fleiß und ungewöhnlich geschickten Händen zum Bau-Giganten hochgearbeitet. Simon Struthers dagegen ist hoher Regierungsbeamter im Bereich Landschaftsplanung, Sohn eines Ministers, vermögend. Die Geschichte der beiden beginnt im Ottawa der siebziger Jahre, einer aufblühenden Hauptstadt. Ihr persönliches Glück suchen sie in der Liebe: Jerry bei seiner Frau Kathleen, Simon in zahllosen Affären. Bei dem einen bleibt die Liebe im ehrgeizigen Streben nach dem großen Ding auf der Strecke, bei dem anderen durch sexuelle Besitzgier und Geltungsdrang. Ihre Lebensentwürfe kollidieren, als für beide alles auf dem Spiel steht, und der Roman nähert sich einem erstaunlichen Ende.


Der manirierte Stil in den Teilen, die von Simon Struthers handeln, ging mir immer mehr auf die NErven; ein Mann, der aufgrund seines Namens einen doch relativ einflussreichen Posten zugeschachtert bekommen hat, den er hauptsächlich dazu nutzt, seine Entscheidungsunfähigkeit zur Methode zu machen und nebenher seine ebenfalls eher missglückten Beziehungen zum anderen Geschlecht zu pflegen (eine der schönsten Szenen in diesem Buch ist ein GEspräch zwischen Simon und Renee, einer Arbeitskollegin, mit der er einige Jahre ein Verhältnis pflegt(e), die mit ihm ein Beziehungsgespräch führen will, und alles, was von ihm kommt, hat entweder mit Essen oder mit Arbeit zu tun...).

Auf der anderen Seite ist da Jerry, für den es immer nur eine Frau gegeben hat, Kathleen, die allerdings einen gewaltigen Alkoholkonsum und diverse Nebenbeziehungen lange vor ihm geheim halten kann; mit ihr hat er einen Sohn, den er erst so richtig merkt, als er von zu Hause abhaut. Zu dem Zeitpunkt ist dann auch Kathleen nicht mehr da, und endlich lässt er Geschäft Geschäft sein, hört auf, eine Wohnsiedlung nach der anderen aus der Erde zu stampfen, und sucht seinen Sohn.

Wesentlich ehrlicher, gerader und für mich auch interessanter waren, wie ich schon erwähnte, diese Jerry-Passagen; aber auch hier hat die Sprache mir den Zugang nicht gerade leicht gemacht. Viele Dialoge, die oft nur aus einzelnen Wörtern bestehen, sich in einer Endlosschleife wiederholen; dazu die oft auch sehr derbe Ausdrucksweise, und über weite Passagen auch Themen, die mich in der hier präsentierten Form auch nicht interessierten (Kathleens Alkoholismus zB).

Colin McAdam

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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