Ian Rankin - Die Tore der Finsternis

Originaltitel: (13) Resurrection Men
Krimi. (englischsprachiger Verlag) 2002
510 Seiten, ISBN: 0316608491

Diesmal ist John Rebus einen Schritt zu weit gegangen. In die Richtung Gill Templers, seiner Vorgesetzten, während einer Besprechung eine Tasse kalten Kaffees zu schleudern ist auch für jemanden mit dem Ruf des ewigen Einzelkämpfers nicht mehr akzeptabel.

Die Strafe folgt denn auch auf dem Fuß: Rebus wird zum Trainingslager abkommandiert. Gemeinsam mit einer Reihe anderer Querulanten soll er wieder lernen, wie man im Team arbeitet und sich seinen Vorgesetzten unterordnet.

Es ist eine wilde Horde, der er da zugeordnet wird; Francis Gray gilt als der Rebus von Glasgow; Allen Ward hat trotz seiner Jugend bereits einen entsprechenden Ruf; Jazz McCullough hingegen scheint auf den ersten Blick gar nicht ins Rudel des "Wild Bunch" zu passen, so ordentlich und korrekt erscheint er. Doch auch das ist nur Oberfläche.

Gemeinsam sollen sie nun einen Fall lösen, der lange zurückliegt, aber nie geklärt werden konnte: der Mord an einem aus der Glasgower Unterwelt, an Rico Lomax. Und das Fatale daran: nicht nur die Glasgow-Crew, und damit Francis Gray, war an der Ermittlung beteiligt - auch John Rebus weiß darüber sehr viel mehr als er eigentlich sollte und damals bekannt gegeben hatte.

Es macht ihn misstrauisch, dass nun ausgerechnet dieser Fall aufgerollt werden soll. Denn eigentlich war er nur in den "Wild Bunch" eingeschleust worden, um aufzuklären, ob Gray und Jazz noch auf der richtigen Seite spielten, oder ob sie - wie vermutet wurde - ihren eigenen Weg gefunden hatten, die spärliche Pensionskasse aufzubessern. War das alles nur ein Vorwand, waren die beiden im Gegenteil dazu da, ihn aufzudecken?

Das alles vermischt sich noch mit den aktuellen Ermittlungen zum Mordfall, aus dem Rebus rausgezogen wurde, ein seltsamer Mord an einem Galeristen, den Shioban Clarke nun versucht in Rebus-Manier zu lösen (und entsprechend auch seinen ewigen Feind Big Ger Gafferty verdächtigt). Auch das Wiesel, Gaffertys rechte Hand, spielt eine nicht unerhebliche Rolle...

Es sind viele Fäden, die sich manchmal beinahe undurchschaubar verknäueln; dass der Autor dabei den Überblick bewahrt hat kann man sich manchmal kaum vorstellen. Als Leser zumindest fällt es nicht immer leicht, und das trotz des ausführlichen Personenregisters, das zumindest der englischen Ausgabe vorangestellt ist. Es hat diesmal auch etwas länger gedauert, bis ich wirklich im Fall drin war; aber wenn es dann endlich läuft, dann ist Rankin in seiner gewohnten Form.

Auffällig ist dabei auch, dass langsam aber sicher Siobhan als Nachfolgerin von Rebus aufgebaut wird. Sie nimmt in den Krimis mehr und mehr Raum ein, hat viele Ähnlichkeiten mit ihm, aber trotzdem auch genug Eigenständigkeit, dass man der Pensionierung des geliebten Rebus halbwegs gefasst ins Auge sehen kann.

Von meiner Seite eine Empfehlung!

Ian Rankin

Ian Rankin, 1960 in Fife geboren, lebte in Edinburgh und London, bevor er mit seiner Frau nach Südfrankreich zog. Sein erster Roman erschein 1986 und wurde von der Kritik gefeiert. Der internationale Durchbruch beim Lesepublikum gelang ihm schließlich mit seinem melancholischen Serienhelden John Rebus, der mittlerweile aus den britischen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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