Robert Walser - Der Gehülfe

Originaltitel: Der Gehülfe
Roman. Manesse 2004
384 Seiten, ISBN: 3518376101

Als Angestellter gilt es, sich unterzuordnen, das weiß auch Joseph Marti. Doch was sein Arbeitgeber da an dubiosen Geschäften treibt, sollte er eigentlich aufhalten - denkt er, manchmal. Wenn er nicht gerade fleißig dabei ist, an diesem Untergang mitzuarbeiten, indem er sich dem Müßiggang hingibt... "Handlung" sollte man als Leser wohl nicht viel erwarten, aber die Gedankengänge und Formulierungen Walsers sind wunderschön zu lesen

Robert Walser

Robert Walser gehört zu den rätselhaftesten Schriftstellern seiner Zeit. Geboren am 15. April 1878 in Biel, absolvierte er nach der Schulzeit zunächst eine Banklehre. In den Jahren 1896 bis 1905 lebte er überwiegend in Zürich, arbeitete dort als Commis in Banken und Versicherungen, aber auch als Diener, Buchhändler und 'Gehülfe'. Seine ersten Gedichte, die 1898 erschienen, ließen ihn rasch zu einem Geheimtip werden und verschafften ihm den Zugang zu literarischen Kreisen. Nach Erscheinen seines ersten Buches, Fritz Kochers Aufsätze, folgte er 1905 seinem Bruder Karl nach Berlin, der dort als Maler und Bühnenbildner den Durchbruch erzielt hatte. In rascher Folge publizierte Walser nun seine drei Romane Geschwister Tanner (1907), Der Gehülfe (1908) und Jakob von Gunten (1909). Trotz eines Achtungserfolgs bei der Kritik konnte sich Walser im literarischen Leben der deutschen Hauptstadt jedoch schliesslich nicht durchsetzen. Im Gefühl, gescheitert zu sein, kehrte Walser 1913 in seine Heimatstadt Biel zurück. Im Dienstbotentrakt des Hotels "Blaues Kreuz" mietete er sich eine Dachkammer und schuf dort unter äußerst ärmlichen Bedingungen eine grosse Zahl von Kurzprosatexten, die zum Teil auch in Buchform erschienen (Kleine Prosa, 1917, Poetenleben, 1918, Seeland, 1920). Als Hauptwerk dieser Zeit gilt die umfangreiche Erzählung Der Spaziergang, 1918. Der im gleichen Jahr entstandene Roman Tobold blieb ungedruckt und ist heute ebenso verschollen wie ein weiterer mit dem Titel Theodor aus dem Jahr 1921. Ab Anfang der zwanziger Jahre in Bern lebend, führte Walser seine nomadische Mansardenexistenz fort. Obwohl er vielfach in literarischen Zeitschriften und Feuilletons bedeutender Tageszeitungen präsent war, konnte er nur noch eine Buchpublikation realisieren (Die Rose, 1925). Zahlreiche Texte, darunter ein Roman (sog. Räuber-Roman, 1925), haben sich nur im mikrographischen Entwurf erhalten. Infolge einer psychischen Krise geriet Walser Anfang 1929 gegen seinen Willen in die Psychiatrie, deren Rahmen er nie mehr verlassen konnte. 1933 von der Berner Klinik Waldau nach Herisau verlegt, gab er das Schreiben vollständig auf und lebte dort noch 24 Jahre als vergessener anonymer Patient. Er starb am Weihnachtstag 1956 auf einem einsamen Spaziergang im Schnee. Robert Walsers einzige Kontaktperson in den letzten zwei Lebensjahrzehnten war der Zürcher Journalist und Mäzen Carl Seelig, der ihn regelmässig besuchte und mit ihm Wanderungen unternahm. Seinem Engagement ist die Rettung von Walsers Werk und Nachlass zu danken. Obwohl Walser von Autoren wie Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, Robert Musil, Franz Kafka und Walter Benjamin schon früh empfohlen und hoch geschätzt wurde, blieb er Zeit seines Lebens verkannt. Heute dagegen gilt er als der wichtigste Deutschschweizer Autor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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