John Banville - Caliban

Originaltitel: Shroud
Roman. Kiepenheuer & Witsch 2004
376 Seiten, ISBN: 3462033646

Der Axel Vander, den die Briefe der jungen Studentin Cass Cleave nach Europa zurücklocken, ist eine Eigenkreation. Er ist nicht der, der damals nach dem zweiten Weltkrieg aufbrach - er hatte damals eine Entscheidung getroffen, die Cass Cleave heute aufzudecken in der Lage zu sein scheint. Statt dessen beginnt Vander eine Affäre mit der jungen Frau, die diese immer tiefer in eine psychische Instabilität und schließlich in den Tod treibt. Doch auch er selbst gerät ins Taumeln..

Die Rahmenhandlung dieses Romans, also die Beziehung des alten Mannes (fast schon Greises) zur jungen Frau, hat mich eher abgestoßen als fasziniert, auch wenn es wieder in einer wunderbaren Sprache geschrieben ist.

Den für mich entscheidenden Teil des Romans liefert Banville aber im Mittelteil, dem Bereich, in dem Vanders Kriegserlebnisse und seine Entscheidungen jener Zeit geschildert werden. Davon habe ich mich beeindrucken und mitreißen lassen.

Zu den beeindruckendsten Szenen zählt für mich auch die Schilderung des Todes Vanders Ehefrau…

Banvilles Erzählweise, seine andeutungsreiche Erzählweise, seine intellektuellen Kapriolen, vermögen auch in diesem Buch zu begeistern - allerdings ist es ein Autor, der wahrscheinlich nicht jedem zusagen wird.

John Banville

John Banville, geboren 1945 in Wexford, Irland, gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen irischen Autoren. Er hat zahlreiche Romane veröffentlicht, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Banville ist Literaturredakteur der Irish Times und lebt in Dublin. Ausgezeichnet mit dem Man Booker Prize.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©06.03.2004 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing