Jonathan Lethem - Motherless Brooklyn

Originaltitel: Motherless Brooklyn
Roman. Goldmann Verlag 2003
383 Seiten, ISBN: 3442541875

Ein bisschen Krimi, ein bisschen New York-Story, ein bisschen Freakshow - und insgesamt einfach ein etwas anderes Buch, das von Lionel Essrog handelt, aufgewachsen in einem Waisenhaus in Brooklyn, unter dem Tourette-Syndrom leidend, der sich nach der Ermordung des Kleinmafiosen Frank Minna aufmacht, dessen Mörder zu finden...

Es geht bei diesem Buch um einen jungen Mann, der unter Tourette leidet. Er ist der Erzähler dieser Geschichte; in einem Waisenhaus aufgewachsen, wird er als Jugendlicher gemeinsam mit 3 anderen von Frank Minna unter die Fittiche genommen. Als Fahrdienst verstehen sie sich als Detektei, die aber vor allem für die örtlichen Mafiosi arbeitet. Dann wird Frank Minna getötet, und Lionel Essrog macht sich auf, die Mörder zu finden...

Wie gesagt, stilistisch ist das Buch gerade durch die eingeschobenen Tourette-Ausbrüche und Assoziationsketten, die dadurch entstehen, wirklich empfehlenswert; es sticht vor allem auch vom Durchschnitt ab. Lionel Essrog ist ein absoluter Antiheld, nicht übermäßig clever, aber doch wesentlich schlauer, als er dank seiner vielen nervösen Tics normalerweise eingestuft wird.

Auch die Schilderungen dieser Nachbarschaft in Brooklyn haben mich fasziniert, haben viel vom Tempo der Stadt vermittelt, von der Kleinstadt innerhalb der Metropole.

Nur der eigentliche Plot, die Verstrickung in immer größere Gaunereien, die verworrene Suche nach dem Mörder – die hat mich nicht völlig zu fesseln vermocht.

Entsprechend habe ich auch lange an dem Buch gelesen – fast 4 Tage.

Weiterempfehlen kann ich das Buch trotzdem – aber nur für Leser mit Geduld.

Jonathan Lethem

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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