Polina Daschkowa - Die leichten Schritte des Wahnsinns

Originaltitel: --
Krimi. Aufbau Verlag 2004
454 Seiten, ISBN: 3746623723

Eine Moskauer Journalistin sieht sich plötzlich in die Angelegenheiten krimineller Kreise verwickelt. Der Bruder ihrer besten Freundin hat Selbstmord begangen – nur dass ein Selbstmord für ihn ausgesprochen untypisch war, und auch die Art und Weise, wie er begangen wurde, das Misstrauen der Freundinnen weckt. Dann stirbt auch noch dessen Frau, auch durch einen allzutypischen Unfall, der die Freundinnen stutzig macht – und das alles geht zurück auf einen Vorfall 14 Jahre zuvor, als die beiden Freundinnen und der Bruder eine Reise durch Sibirien gemacht hatten und dabei etwas gesehen hatten, das sie erst jetzt langsam richtig einzuordnen beginnen...

Das alles ist nett und spannend geschrieben, aber insgesamt für mich dann doch etwas zu konstruiert. Wie auch schon beim Krimi von Kathi Reichs erwähnt, mag ich es ja nicht sonderlich, wenn den neugierigen Schnüffelnasen so beharrlich nach dem Leben getrachtet wird und sie sich aus einer gefährlichen Situation in die nächste flüchten müssen, ich finde es viel spannender, welche psychologischen Hintergründe hinter einer Tat stecken, und das wurde hier zwar ausführlich behandelt, war mir aber zu spektakulär. Mich interessiert mehr der Alltagsmensch, der zum Verbrecher wird, und wie er das vor sich selbst rechtfertigt, als das große Drama das hier inszeniert wurde.

Aber das sind nur meine persönlichen Vorlieben – alles in allem wie gesagt solide Krimikost, spannend, dramaturgisch gut aufgebaut. Der Alltag in Moskau spielt zwar nur eine kleine Nebenrolle und zeigt aus meiner Sicht auch nur einen eher elitären Ausschnitt der Bevölkerung, vermittelt aber doch eine Ahnung von der Spaltung der Gesellschaftsschichten und der Bandbreite an Lebensstilen.

Polina Daschkowa

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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