Gabriel Garcia Marquez - Von der Liebe und anderen Dämonen

Originaltitel: Del amor y otros demonios
Roman. dtv Der TaschenbuchVerlag 2001
196 Seiten, ISBN: 3423085665

Der Erzählung voran hat der Autor eine kleine Notiz gestellt, wie er zum Thema dieses Buches kam: wie er, noch als junger Journalist, zur Räumung eines Klarissinnen-Klosters in Cartagena beordert worden war, und dort Zeuge wurde, wie aus einem Grab eine 22 m lange Haarmähne geborgen wurde - Haar, das wohl nach dem Tod erst gewachsen war und ihn an die Erzählung seiner Großmutter erinnert hatte.

Und so erzählt er sie, die Geschichte, wie sie sich abgespielt haben könnte; die Geschichte eines jungen Mädchens, von den Eltern vergessen, ja, sogar gehasst, das eines Morgens von einem tollwütigen Hund gebissen wurde.

Sierva Maria de Todos les Angeles wächst im Patio der Sklaven auf; sie spricht alle ihre Sprachen, kann aber weder lesen noch schreiben, da man sie nichts dergleichen gelehrt hat. Von engelsgleicher Schönheit, zugleich aber verlogen und durchtrieben, wehrt sie sich, ihr Reich zu verlassen.

Nach der Nachricht vom Hundebiss nämlich, und der Sicherheit, dass jener Hund tollwütig war, regt sich eine Spur von Gewissen in ihrem Vater.

Doch er ist schwach; als er sich mit den Ansprüchen der Kirche konfrontiert sieht, die dem Mädchen den Teufel austreiben wollen, kann er ihnen nichts entgegensetzen...

Auf die bei Marquez übliche Art des verschlungene, üppigen Erzählens entsteht hier ganz nebenbei eine ausgesprochen traurige Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und dem Priester. Und im dichten Geschichtengewebe dahinter erlebt man mit, wie eine Stadt, die sich einst als Zentrum des Sklavenhandels verstanden hatte, nun vermodert und verfällt, wie die unterschiedlichen Geistesströmungen der Aufklärung und der Kirche gegeneinander wirken.

Es ist eine Geschichte, die auf vielen Ebenen lesbar ist. Man muss den Stil mögen, um sich wirklich damit anfreunden zu können; aber ich denke, dass es auch ein Buch ist für all die, die sonst mit Marquez Probleme haben, da durch die Kürze des Textes auch die Anzahl der Geschichtenstränge nicht gar zu arg auswuchert.

Ich habe es mit Genuss und Gewinn gelesen.

Gabriel Garcia Marquez

Gabriel García Márquez, am 6. März 1928 in Aracataca (Kolumbien) geboren, schrieb zunächst Filmdrehbücher, dann Erzählungen, Romane und Reportagen. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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