Sebastian Orlac - Verteidigung der Himmelsburg

Originaltitel: Verteidigung der Himmelsburg
Roman. Klett Cotta 2006
240 Seiten, ISBN: 3608937390

Fionna wacht morgens neben einem Mann auf, und kann sich nicht erinnern, wie sie hierher gekommen ist. In der Zwischenzeit versucht ihr Mann, Markus, die ganze Nacht vergeblich, sie anzurufen. Er arbeitet gerade in Irland; und wenn er auch sonst nicht viel von seiner Frau weiß, wie er ihren Anrufbeantworter abhören kann, weiß er. Und findet darauf am nächsten Tag eine beunruhigende Nachricht von ihrem Vater, der sie mit einem netten Mann in einem Cafe getroffen hat.

Emma hingegen besucht Familienaufstellungen. Leidenschaftlich. Und immer ist sie es, die als Stellvertreterin ausgewählt ist, die die Konflikte der Hilfebedürftigen darstellen soll. Es fällt ihr leicht, sich in die Situation hineinzuversetzen; sie war einst Schauspielerin, heute ist sie Synchronsprecherin. Zum Beispiel für Jodie Foster.

Und außerdem ist Emma Fionnas beste Freundin. Und lebt mit ihr, Markus und Fionnas Tochter Julia zusammen. Aber nun soll sie ausziehen - und fühlt sich, als würde sie von ihrer Familie abgeschnitten. Und alles, was die Kartenlegerin ihr zu sagen hat, verstärkt ihre Sorgen nur noch mehr; denn die spricht von einem kommenden und einem gehenden Kind. Und Fionna ist wieder schwanger..

Auch wenn die einzelnen Passagen in diesem Buch, wenn man sich erstmal durch den etwas wirren Anfang durchgearbeitet hat, sich wirklich gut lesen und schöne Einzelbilder ergeben, fügt sich das alles doch nicht so recht zu einem großen Ganzen. Und vor allem nicht zu einem Roman, dem man eine Absicht, ein Thema entnehmen könnte; es ist eine Nabelbeschau von Thirty-Somethings, die nicht so recht wissen, wo sie in ihrem Leben stehen.

Im Klappentext ist die Rede von Eltern, die nicht mehr als Kumpel sein wollen; doch dieses Thema wird im Buch selbst - obwohl interessant - nur kurz angeschnitten und dann, wie so viele andere Themen auch, gleich wieder fallen gelassen. Ein bisschen Berlin nach der Wende, ein bisschen das Thema Freundschaften, ein klein wenig moderne Beziehungen, Elternschaft, auch ein kurzer Rückblick auf den zweiten Weltkrieg - aber irgendwie bleibt alles leider sehr belanglos.

Sebastian Orlac

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©20.03.2006 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing