Zsuzsa Bank - Der Schwimmer

Originaltitel: Der Schwimmer
Roman. S. Fischer Verlag 2004
285 Seiten, ISBN: 3596152488

Eines Tages war sie weg. Ohne Abschied. Einfach in den Zug gestiegen und in den Westen gefahren - ihren Mann, ihre beiden Kinder hatte sie zurückgelassen.
Der Vater hat diesen Verlust nie recht verwunden. Er zieht von da an mit den Kindern von einem Ort zum anderen, quartiert sich ein, arbeitet ein wenig; aber immer dann, wenn die Kinder endlich anfangen heimisch zu werden, passiert etwas, und er bricht wieder auf.

Am schönsten war es für sie alle am Ufer des Sees; dieser Sommer, als auch Isti, der kleine Bruder, zu schwimmen lernt wie der Vater, wird ihnen immer im Gedächtnis bleiben. Und dass sie hier wieder weg müssen ist dann der Anfang vom Ende...

Es ist eine auf sehr stille, manchmal dadurch auch ein wenig monotone Weise erzählte Geschichte; konsequent aus der Sicht eines Kindes geschildert erlebt man als Leser mit, wie sie von Ort zu Ort ziehen, zieht Schlüsse, die der Text einem nicht aufdrängt, sondern nur anbietet, wie zum Beispiel die Begründungen für die immer wiederkommenden Aufbrüche des Vaters.

Auch die Art, wie die Rückblenden eingebaut werden, wie über die Erzählung durch die Großmutter auch das weitere Schicksal der Mutter im Westen Platz findet im Roman hat mich sehr beeindruckt.

Es ist ein Buch mit einer sehr schlichten, einfach gehaltenen Sprache, die ich dennoch als sehr mächtig empfand, weil damit so stimmungsvoll Bilder in meinem Kopf erzeugt wurden.

Wir haben diesen Roman in der Berliner Montagslesegruppe besprochen; zwei Drittel der Mitglieder hatten den Roman mit großem Gewinn und Begeisterung gelesen. Gerade aber von unseren "Ostlesern" wurde bemängelt, dass so wenig über die tatsächliche politische Situation der 50er und 60er darin zu finden ist, es also so "schwammig" wirkt. Die anderen waren der Meinung, dass das aus der Kindessicht auch nicht stimmig hätte umgesetzt werden können.

Auf einer anderen Ebene wurde das Verhalten des Vaters den Kindern gegenüber stark kritisiert - wie kann er, als Verantwortlicher, verweigern, dass die Kinder zur Schule gehen, wie kann er sie immer wieder aus ihrer Umgebung reißen und weiterziehen?

Allgemeine Ver/Bewunderung fand dennoch der Umstand, dass der Vater als Typ so frei war,mit einer derartigen Selbstverständlichkeit auch davon ausging, überall schon irgendwie durchzukommen, überall Unterstützung zu finden.

Eine lohnenswerte Lektüre, wenn auch für manche etwas langatmig, das war das allgemeine Fazit.

Ihre Erzählungen werde ich nicht lesen; aber wenn es wieder einen Roman von ihr zu lesen gibt, dann wird der mit Sicherheit in mein Bücherregal wandern.

Zsuzsa Bank

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für die Erzählung 'Unter Hunden' erhielt sie den Bettina-von Arnim-Preis.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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