Kristof Magnusson - Zuhause

Originaltitel: Zuhause
Roman. Verlag Antje Kunstmann 2005
315 Seiten, ISBN: 388897402X

Larus hatte sich schon lange auf dieses Weihnachten gefreut; sie wollten zu viert feiern, eine Art Familien-Ersatz; seine beste Freundin Matilda, ihr Freund, sein Freund... aber schon als er in Island landet, erzählt im Matilda von ihrer Trennung. Weil er zu perfekt war, meinte sie - und stürzt Larus damit in eine erste Krise.

Dass er in dieser Hinsicht auch selbst etwas zu beichten hätte, verdrängt er, so lange es geht - dass sein Milan nämlich nicht, wie geplant, morgen aus Hamburg nachkommen wird, sondern sich von ihm getrennt hat.

Und dann ist Matilda auch noch aus ihrer schönen Wohnung in eine WG gezogen, überlegt, ihren Job an den Nagel zu hängen, und ist auch sonst recht ungnädig mit Larus, der sich plötzlich vor der eigenen Wohnung von einem Typen bedroht findet, mit dem Matilda kurz geflirtet hatte, und merkt, dass einer aus Matildas WG, Darus, den er ebenfalls schon seit Kindheit kennt, sich in ihn verliebt hat.

Darus ist der einzige Sohn des mächtigsten Mannes der Insel; und er fühlt sich erdrückt von dieser Familie, gegen die er ein mächtiges Instrument in der Hand zu haben glaubt, aber nicht viel darüber verlauten lässt. Erst als er kurz drauf Selbstmord begeht nimmt Larus ihn ernst - und erfährt dabei mehr über sich selbst, als er eigentlich wissen wollte...

Gerade zu Beginn ist dieser Roman spritzig, mit amüsanten, pointensicheren Dialogen, zweier einander umspielenden Lebenskrisen und gut erzählten Liebesbefindlichkeiten.

Das liest sich gut, ist fein beobachtet, und durch den immer noch etwas exotischen, aber gerade sehr angesagten Handlungsort auch noch auf anderer Ebene interessant. Ich habe es ihm sofort geglaubt, dieses Dasein als unglücklich Verlassener, der seine Kindheit zwischen Island und Hamburg verbracht hat; aber dann kommt die dritte Ebene ins Spiel, die immer mehr Raum einnimmt und mich insgesamt nicht überzeugen konnte: die Geschichte rund um Darus.

Das hat mein Lesevergnügen dann doch deutlich getrübt; den Autor aber werde ich mit Sicherheit weiter beobachten.

Kristof Magnusson

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Lite­ra­turinstitut Leipzig. Lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Seine Komödie »Männerhort« lief an über 30 Theatern im In- und Ausland, unter anderem in Berlin mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka. Sein Debütroman »Zuhause« (Kunstmann 2005) wurde 2006 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©12.10.2005 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing