John La Galite - Zacharias

Originaltitel: Zacharie
Krimi. Europa Verlag 2005
208 Seiten, ISBN: 3203795043

Zacharias ist zwölf, wird aber oft für 10 gehalten. Nur seine Mutter hat manchmal das Gefühl, er müsse mindestens vierzehn sein.

Zacharias und seine Mutter leben alleine. Alles was der Vater hinterlassen hat ist seine Krankheit: auch Zacharias leidet an Diabetes und ist seit frühen Jahren daran gewohnt, sich täglich mehrmals Insulin zu spritzen. Immer wieder wurde ihm auch eingebleut, dass er unbedingt auf einen geregelten Tagesablauf achten solle.

Sie haben sich eigentlich ganz gut in ihrem Leben eingerichtet, er und seine Mutter; sie arbeitet nachts als Krankenschwester; wenn er von der Schule nach Hause kommt, kauft er erstmal ein und weckt sie dann, um mit ihr gemeinsam zu essen.

In der letzten Zeit allerdings hatte er sich immer häufiger Sorgen um sie gemacht; schließlich waren in der Stadt kürzlich mehrere Frauen ermordet worden, hübsche, alleinstehende Frauen - und als in die Nachbarwohnung (aus der an Weihnachten eine Frau gesprungen war) ein junger Mann einzieht, der sich verdächtig verhält, ist Zacharias auf der Hut und spioniert ihm nach.

Jener junge Mann, Jakob, hat allerdings kurz danach einen schweren Motorradunfall; als er wieder nach Hause kommt, hängt er an einem Beatmungsgerät, ohne die Möglichkeit, mit irgendjemandem zu kommunizieren. Und Zacharias Mutter übernimmt eine zusätzliche Schicht, um ihn für einige Stunden tagsüber betreuen zu können.

Bald schon nimmt ihr Zacharias einige Stunden ab - und mit ihm findet Jakob einen Weg, sich auszutauschen. Schließlich ist es jetzt an Zacharias, den Mörder zu finden...

Die Rahmenkonstruktion dieses Romans ist sehr eigenwillig; vieles davon dient zwar der Schaffung einer gewissen Atmosphäre, ist aber nicht wirklich in der Geschichte verankert und steht dann seltsam überflüssig im Raum, wie beispielsweise der Selbstmord der Nachbarin.

Die Auflösung hingegen ist - wenn vielleicht auch dem einen oder anderen Leser ganz kurz ein Gedanke in diese Richtung kam - ziemlich überraschend, dabei aber psychologisch so überzeugend, und gibt allem, was man bis zu dem Zeitpunkt gelesen hatte, nochmal eine ganz neue Note; alleine dafür lohnt es sich schon wieder, diesen Roman zu lesen.

John La Galite

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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