Friedrich Ani - Die Erfindung des Abschieds

Originaltitel: Die Erfindung des Abschieds
Krimi. Knaur Verlag 2001
463 Seiten, ISBN: 3426619024

Als ich damals, als alle Welt irgendwie Friedrich Ani zu lesen schien, "German Angst" las und für schlecht befand, wurde mir immer wieder geraten, es doch noch einmal mit "Die Erfindung des Abschieds" zu versuchen, das wäre wesentlich besser. Seither subbte es bei mir rum, und ich hatte einfach keine Lust mehr, den Autor in die Hand zu nehmen... aber es war unter den 4 Titeln, die ich mir fürs Wochenende zum "Anlesen und Aussortieren" rausgelegt hatte, und, wie ihr euch jetzt vielleicht schon denken könnt: ich habe mich festgelesen ;-)

In diesem Krimi geht es um das Verschwinden eines neunjährigen Jungen, Raphael; sein Großvater ist gerade gestorben, sein Vater hat sich von der Mutter getrennt (und wenn er anwesend ist, scheint er ihn mit Vorliebe zu verprügeln), die Mutter wehrt sich nicht dagegen und ist außerdem mit ihrem neuen Freund beschäftigt und weiß nicht, wie sie mit ihrem Kind zurande kommen soll.

Die Vermutung ist groß, dass der Junge zu Begräbnis des Großvaters doch noch auf dem Friedhof auftauchen würde, doch da sind nur die engsten Familienmitglieder zu finden - und Martin Heuer und Sonja Feyerabend von der Vermisstenstelle des Dezernats 12.

Die Familie macht es ihnen nicht einfach, der Junge bleibt verschwunden, die Überwachung des Friedhofs erbringt nichts - außer, dass er da gewesen sein muss, denn man findet einen Brief auf dem Grab.

Fieberhaft sucht man, eine Verkäuferin meldet, sie hätte gesehen, wie er zu einem Mann in ein rotes Auto stieg, freiwillig, und er hatte sich auch bei den Eltern telefonisch gemeldet und von einem Gustl gesprochen.

Keiner will es aussprechen, aber die Angst vor sexuellen Übergriffen ist natürlich da. Ein Wettlauf gegen die Zeit - und das mit verminderter Mannschaft, denn Tabor Süden ist nach einem beruflichen Fehlschlag immer noch beurlaubt, tanzt in einer einsamen Hütte im Wald Schamenentänze.

Er wird zurückgeholt, es gelingt auch, Raphael zu finden, aber damit ist die Geschichte erst an der Hälfte angelangt: denn die häusliche Situation hat sich nicht verbessert, der Vater schlägt den Jungen fast tot, und sobald er wieder laufen kann, ist er erneut weg - und diesmal will er endgültig zu seinem Großvater...

450 eng bedruckte Seiten sind dafür zwar ein bisschen viel, und die Konflikte innerhalb der Ermittlermannschaft mit ihren Überzeichnungen (der Schamane/Seher Tabor Süden ist mir persönlich einfach zu glatt und abgehoben, sein Vorgesetzter dagegen zu geschniegelt, und und und) fand ich auch deutlich zu ausufernd; aber insgesamt habe ich den Roman durchaus mit Spannung gelesen.

Friedrich Ani

Friedrich Ani wurde 1959 als Sohn eines Syrers und einer Schlesierin in Kochel am See geboren. Nach dem Zivildienst in einem Heim für schwer erziehbare Jungen arbeitete er als Polizeireporter, Kulturjournalist und Drehbuchautor (u.a. für die Fernsehserie Tatort). Heute lebt er als Schriftsteller in München. Friedrich Ani erhielt mehrere Stipendien und Preise, so den Literaturförderpreis der Stadt München und den Staatlichen Förderungspreis für Literatur des bayerischen Kultusministeriums.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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